Sonthofen / Oberallgäu
In gemeinsame Zukunft mit Kempten schreiten

Alte Diskussionen und Unstimmigkeiten hinter sich lassen will der Oberallgäuer Kreistag bei der neuen Krankenhaus-Kooperation mit Kempten. Einstimmig segnete das Gremium am Freitag die künftige Zusammenarbeit ab, wobei von «Partnern auf Augenhöhe» (Gisela Bock, FDP) die Rede war. Zuversicht schafft im Oberallgäu, dass der Geschäftsführer der Kliniken Oberallgäu, Andreas Ruland, künftig auch in Kempten den Hut aufhaben soll. Dort, so Landrat Gebhard Kaiser, seien in den vergangenen sechs Jahren vier Geschäftsführer verschlissen worden. Für Ruland werde es aber kein Himmelfahrtskommando.

«Es gibt für mich keine Alternative», freute sich Kaiser, dass sich endlich beide Seiten aufeinander zubewegten. Man benötige auch im defizitären Klinikum Kempten-Oberallgäu wieder schwarze Zahlen. Wichtig: Beide Aufsichtsräte wollten die Kliniken in kommunaler Hand behalten; allerdings werde noch geprüft, ob die Beteiligung eines Dritten in der Dachgesellschaft auch Vorteile bringen könnte.

«Es ist die richtige Entscheidung, sich in der Region gemeinschaftlich weiterzuentwickeln», betonte Geschäftsführer Ruland mit Blick auf die wachsende Verhandlungsmacht der Krankenkassen. Er forderte, dem Projekt einen Vertrauensvorschuss zu geben, da Aufgaben und Anforderungen für beide Kliniken zunehmen würden.

Die Arbeitnehmer einbinden

«Vor sechs Wochen hätten wir nur davon träumen können», lobte Haldenwangs Bürgermeister Anton Klotz (CSU), dass man nach dem Verhandlungsmarathon nun in eine gemeinsame Zukunft schreite: «Eine historische Entscheidung.» Heinz Möschel (Grüne) wünschte sich, im neuen Aufsichtsrat die Arbeitnehmer genauso einzubinden wie bisher im südlichen Oberallgäu. Letztlich müsse ein Klinikverbund auf Allgäu-Ebene Ziel sein: «Wir brauchen Strukturen wie private Unternehmen - da orientieren wir uns an der Lebenswirklichkeit.»

Auch Dr. Gerhard Wimmer (SPD) forderte, alles daran zu setzen, im Aufsichtsrat der Dachgesellschaft die Arbeitnehmer zu beteiligen. Die Zusammenarbeit der Kliniken sei notwendig, um Synergien zu nutzen. Langfristig, so Wimmer, erhalte man eine bessere Patientenversorgung und sichere die Kliniken sowie die Arbeitsplätze.

Hugo Wirthensohn (Freie Wähler) sorgte, dass bei der 50:50-Aufteilung möglicherweise weiter Pattsituationen eine positive Entwicklung blockieren könnten: Das sei in den endgültigen Verträgen durch Vorkehrungen wie ein Vetorecht des Landkreises zu verhindern.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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