Fischen
In Fischen tief verwurzelt - aber stets das Allgäu im Blick

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Er ist ein echtes Allgäuer Urgestein - und prägte die Region entscheidend mit. Ein Vierteljahrhundert war Toni Vogler Bürgermeister in Fischen, engagierte sich aktiv in etlichen Vereinen, war Verkehrsamtsleiter und bekleidete in zahlreichen regionalen Gremien entscheidende Posten - vom Sprecher der Oberallgäuer Bürgermeister über den Vorsitzenden des Regionalen Planungsverbandes bis zum SWW-Aufsichtsratsvorsitzenden. Heute feiert der gebürtige Maderhalmer 70. Geburtstag. Im Gespräch mit unseren Redakteuren Etienne le Maire und Michaela Schneider blickt er auf sein langjähriges Wirken zurück - und diskutiert über aktuelle Entwicklungen in der Region.

Zunächst einmal zum Tourismus: Wo liegen die Stärken der Region?

Vogler: Die natürlichen Gegebenheiten Landschaft, Klima, Luft und Sonnenscheindauer sind Stärken der Gesundheits- und Sportregion Allgäu. Als wichtige Entwicklung werte ich, dass sich die Hoteliers der Region zusammengefunden haben. Hoteliers werben gemeinsam und einige investieren in den Flughafen Memmingerberg mit - das sind doch positive Beispiele, die zeigen, was man miteinander erreichen kann. Erfreulich auch, dass die Süddestination des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben mit Sitz in Kempten nach anfänglichem holperigen Start in Fahrt kommt.

Wie lauten ihre touristischen Empfehlungen?

Vogler: Die Hotellerie ist Vorreiter im Tourismus. Wir dürfen uns auf gar keinen Fall zu reinen Ferienwohnungsorten entwickeln. Wenn Gemeinsamkeit im Vordergrund steht, hat der Allgäu-Tourismus gute Zukunfts- chancen. Wettbewerb ist nötig - aber bei großen Dingen, muss die Region geschlossen auftreten. Und: Im Tourismus reden viele - manchmal zu viele - mit. Natürlich sollten Touristiker im Kontext der Gemeinde handeln. Bei der Umsetzung sollte man sie aber schaffen lassen. Zudem müssen wir begreifen: Tourismus heißt Dienen. Herzblut, Gastlichkeit und ein überzeugendes Lächeln bewirken, dass Gäste wiederkehren.

Stichwort Planungsverband: Was war hier während Ihrer Amtszeit die größte Errungenschaft?

Vogler: In der Endphase der neue Regionalplan, der ja letztlich Vorgabe für die gemeindliche Bauleitplanung ist. Er beinhaltet ganz wesentliche Dinge wie die Sicherung des Trinkwasservorkommens, einen vernünftigen Kiesabbau, Verkehrsfragen oder die Lenkung bei der Windkraft. Bei solchen Dingen braucht man Kompromisse - aber keine faulen. Insgesamt kann man zur Entwicklung des Allgäus sagen: Es ist sicher nicht übererschlossen, auch was Bergbahnen und Skilifte angeht. Hier wurde stets Zurückhaltung geübt.

Was sagen Sie zur Überlegung, die Skigebiete in Balderschwang und Grasgehren per Lift zu verbinden?

Vogler: Hier geht es nicht allein um die Liftbetreiber, sondern um Arbeitsplätze und Existenzen. Die Menschen in Balderschwang und der ganzen Hörnergruppe leben vom Tourismus und müssen natürlich schauen, dass ihnen die Entwicklung andernorts nicht davon läuft. Es muss daher erlaubt sein, sich mit der Liftverbindung zu befassen, um dann nach Vorliegen der Umweltverträglichkeitsstudie zu entscheiden.

Und wie hat sich «ihr» Fischen entwickelt in ihrer Bürgermeisterzeit?

Vogler: Nun, ganz entscheidend ist: 1980 haben wir einen neuen Flächennutzungsplan verabschiedet. Dabei wurden die Bauflächen um die Hälfte reduziert. Fischen in 25 Jahren deutlich zu vergrößern wäre keine Kunst gewesen - die Gemeinde bei qualitativ hochwertiger Infrastruktur klein zu halten war mein Ziel.

Haben Sie manchmal überlegt, Fischen zu verlassen?

Vogler: Es gab da schon verschiedene Angebote - vom Kurdirektor in Hindelang über den Landtag bis hin zum Bundestag. In der Endphase der Überlegung bin ich aber von Fischen nie weggekommen. Allein das Bürgermeisteramt hätte mir vielleicht nicht gereicht, aber zusammen mit dem Vorsitz in der Verwaltungsgemeinschaft hat mich die Aufgabe rundum erfüllt.

Nach so vielen Jahren in bedeutenden Ämtern: Fiel es da leicht loszulassen?

Toni Vogler: Nach 45 Arbeitsjahren war der Ruhestand zunächst tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Mir viel er leichter, weil ich bis 2008 Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes war. Im Kreistag sitze ich ja bis heute.

Und wie geht es Ihnen heute?

Vogler: Gesundheitlich bin ich zufrieden, ich habe ein Haus und einen schönen Garten. Im Winter fahre ich Ski und Langlauf, im Sommer radle ich gelegentlich, gehe spazieren und habe vor, künftig auch Golf zu spielen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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