Kempten
«In der Schule war ich alles andere als ein Superhirn»

Es liegt fast 18 Jahre zurück, als zuletzt ein Kemptener bei «Wetten, dass..?» Wettkönig wurde. Allround-Talent Markus Grill (heute 47, er war insgesamt dreimal in Deutschlands beliebtester Samstagabend-Show vertreten) tauchte im Februar 1992 vier Minuten unter Wasser. Ohne Taucherausrüstung, dafür mit fünf Damen, die ihm per Mund-zu-Mund-Beatmung Luft zuführten. Mindestens genauso atemberaubend war der Auftritt des Kempteners Jürgen Seliger (37) am Samstag. Der kaufmännische Angestellte wettete, dass er im Miniatur-Wunderland in Hamburg jedes noch so kleine Detail kennt. Anhand von vier Bildausschnitten (ausgewählt aus 1000 Fotos) konnte Seliger exakt sagen, wo sich die jeweilige Szene auf der über 1200 qm großen Modellfläche befindet. Die AZ wollte wissen: Wer ist dieser Jürgen Seliger? Ein Genie oder ein Wahnsinniger?

Herr Seliger, wie viel Speicher ist eigentlich noch frei in Ihrem Hirn?

Jürgen Seliger: Keine Ahnung, aber eher nicht mehr so viel. Seit Samstag ist so viel passiert, dass ich mich momentan sehr müde fühle. Aber grundsätzlich bin ich schon selbst überrascht, wie viel man sich so merken kann.

Wie und wann sind Sie eigentlich auf die Idee dieser Wette gekommen?

Seliger: Das hat sich eigentlich beim Zahnarzt zugetragen. Im Wartezimmer gab es da in den Zeitschriften diese Bildersuchrätsel, bei denen man erkennen musste, welche Details verändert wurden. Das hat mich mehr und mehr fasziniert und ich habe erkannt, dass ich da ein gewisses Talent habe.

Und dann?

Seliger: wollte ich immer größere Rätsel. Ich dachte an eine Fototapete oder einen Stadtplan - aber mit beidem bin ich nicht so klargekommen. Weil ich ja selber Modellbahner bin, ist mir dann das Wunderland in Hamburg eingefallen, das ich sehr gut kenne und schon mehrfach besucht hatte. Menschenskinder, dachte ich mir, mit so einer Eisenbahn und den vielen Figuren und Häuschen müsste das eigentlich klappen. Also habe ich es vorgeschlagen.

Und bei «Wetten, dass..?» war man Feuer und Flamme.

Seliger: Nein, im Gegenteil. Vor eineinhalb Jahren hieß es, die Wette ließe sich technisch nicht umsetzen und sei für den Zuschauer nicht begreifbar. Erst jetzt im Oktober rief man mich an und meinte, okay wir kriegen das jetzt hin. Und sie fragten, ob ich es irgendwie hinkriege, das noch so schnell zu lernen.

Was, Sie hatten dafür jetzt gerade einmal fünf Wochen Zeit?

Seliger: Ja, am 20. Oktober hatte ich 1000 Bilder und die Pläne vorliegen. Da hab ich begonnen zu lernen. Aber ich musste natürlich nach Hamburg. Da ich keinen Urlaub nehmen konnte, bin ich an drei Wochenenden hochgeflogen und habe nachts die Anlage studiert - von 21 Uhr bis 5 Uhr in der Früh. Ich war ganz allein im Wunderland - nur ein Aufpasser war noch mit dabei. Und untertags bin ich wieder hin.

Verraten Sie uns das Geheimnis, wie man sich so viele Minifiguren und ihren Standort einprägen kann?

Seliger: Das ist wie eine Zugfahrt. Ich habe mir für die Reise durch das Wunderland einfach eine Geschichte zurückgelegt. Nur so konnte ich mir merken, wo der Brezenverkäufer steht.

Davon gabs anscheinend ja drei?

Seliger: Das war mit die größte Schwierigkeit. Weil es nur eine gewisse Anzahl an Figuren gibt, wiederholen die sich ständig. Das waren nur kleine Unterschiede im Hintergrund. Eine Hochzeitskutsche war gleich viermal dabei.

Waren Sie in der Schule auch schon so aufmerksam?

Seliger: (lacht) Nein, leider nicht. Da war ich alles andere als ein Superhirn. In Mathematik, Physik und Chemie konnte ich mir wenig merken. Noch heute muss ich meine Frau jedes Mal fragen, wann ihre Schichtarbeit zu Ende ist. Echt peinlich. Aber bei Bildern geht es einigermaßen.

Nutzen Sie ihre Fähigkeiten auch beruflich?

Seliger: Als Disponent in einer Photovoltaik-Firma in Wildpoldsried hab ich hauptsächlich mit Zahlen und Materiallisten zu tun - nicht gerade meine absolute Stärke.

Wird man Sie jetzt öfters im Fernsehen bewundern können?

Seliger: Ich hab am Samstag einen ganzen Packen Visitenkarten in die Hand gedrückt bekommen. Auch für Markus Lanz bin ich eingeladen, aber ich muss jetzt erst einmal schauen, ob sich das mit meinem Job überhaupt vereinbaren lässt.

Wer die Wette noch nicht gesehen hat: www.zdf.de/zdfmediathek

Das komplette Interview mit Jürgen Seliger: www.all-in.de/superhirn

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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