In der Mitte entspringt ein Bach

Gestratz | ver | Es sind Namen, die fremd, witzig und manchmal geheimnisvoll klingen. Worte, die einen zum Schmunzeln bringen und scheinbar nichts mit einer Wohnsiedlung zu tun haben: In unserer neuen Serie erzählen wir in loser Reihenfolge die Geschichten, die hinter kuriosen Ortsnamen stecken.

Für den Tatort in einem Allgäu-Krimi hätte es den richtigen Klang: Malleichen. Hört sich mysteriös an, irgendwie nach etwas Ungutem und einem verlassenen Einöd-Hof im Nebel. Tatsächlich sind es drei Häuser in dem Gestratzer Ortsteil. Ein bisschen klein zwar, aber ansonsten alles normal - bis auf ein Detail: Durch die Siedlung rauscht der Marktobelbach und bildet praktischerweise auch gleich die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Zwei Häuser, also der größere Teil des Ortes, gehören zu Baden-Württemberg, das Gasthaus ist aber bayerisches Territorium.

Bei den Schreibweisen gilt: Erlaubt ist, was gefällt - denn Mailaichen ist nicht gleich Malleichen. Die Erklärung ist aber die gleiche. Schon immer war hier laut dem Gestratzer Altbürgermeister Josef Kimpfler ein Punkt, wo Königreiche und Bundesländer aneinandergrenzten. Die Vorsilbe 'Mal-' weist auf die Grenze hin. Für einen Krimi eignet sich eher die zweite Bedeutung, denn die hat einen höheren Grusel-Faktor: Richtstätte. Wahrscheinlicher ist aber das Grenzmal bei den Eichen.

Woher die eigentlich kommen? Ganz einfach: Wer eine Grenze zieht, will die meist auch markieren und dafür verwendete man früher gerne Bäume. Wer aber glaubt, nun sei alles klar, ist auf dem Holzweg, denn das mittelhochdeutsche 'eich' bezeichnet auch eine Gerichtseiche.

Klare Verhältnisse statt Qual der Wahl heißt’s in Kössentöbele. Diese drollige Namenskreation beschreibt das Gelände. Gemeint ist das Tal, das sich von Gestratz in östliche Richtung zieht. Ging’s im Mittelhochdeutschen um 'kezzi', war schlicht ein Kessel gemeint, 'töbele' ist eine Verkleinerung von Tobel. Das wiederum kommt vom lateinischen 'tubus' - die Röhre. Über einen seltsamen Namenswandel berichtet Josef Kimpfler: Es ließ ihm keine Ruhe, dass das Gewässer - im Volksmund schon immer und bis heute als 'Kaplaneibach' bekannt - im digitalen Flurbuch plötzlich als 'Töblerbach' auftauchte.

Erstmals 1942 eingetragen

Ein Besuch beim Vermessungsamt Immenstadt und der Altbürgermeister war schlauer: Bäche hatten bis zum Jahr 1933 im Kataster keine Namen, bis es von Amts wegen hieß: Jeder Bach muss einen Namen haben. Geometer und Hilfskräfte aus dem Militär zogen laut Kimpfler vor Ort Erkundigungen ein. 1942 sei erstmals der 'Töblerbach' eingetragen worden.

Mit Blick auf die Jahreszahl 1942 und die Konflikte zwischen Nazi-Regime und Kirche glaubt Altbürgermeister Kimpfler, dass ein 'kirchlicher Name' nicht erwünscht war. Denn eigentlicher Namensgeber war die Kaplanei - das Kaplaneihaus wurde 1795 erbaut. Die Kapläne sollen laut Kimpfler auch das Fischereirecht in dem Bach gehabt haben.

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