Weiberfasching
In den Lindenberger Gaststätten geht es rund

Der Veranstalter ist heute der größte Fan. Immer wieder schnappt sich Nino Strano seinen Fotoapparat, schlüpft aus dem Ausschankbereich und bahnt sich den Weg durch die bunte Menge. Erwischt er ein besonders fantasievolles Kostüm, dann bittet er die Gäste, kurz in die Kamera zu lächeln. Schnappschuss fürs närrische Familienalbum. Die meisten Besucher seien Stammgäste, erklärt der Inhaber des Café Herberger. Und wie es sich für den Weiberfasching in Lindenberg gehört, lassen es die Nachtschwärmer auch ordentlich krachen.

Schon weit vor Mitternacht herrscht auf der Tanzfläche Stimmung wie beim Aprés Ski. Nur eben mit Verkleidung. Vampire, Paris-Hilton-Klone und Fliegenpilze liegen sich in den Armen, nehmen den nächsten Schluck und singen aus voller Kehle die Stimmungshits mit, die DJ Ralph Ried durch die Boxen jagt. Den Traum von Amsterdam, das Fliegerlied, den einfach nicht totzukriegenden Schlager von Michaela. Ein Pärchen tanzt Discofox. Beste Partylaune, verstärkt vom Alkohol, der munter in die Kehlen fließt. << Weinschorle ist der Klassiker >>, verrät Nino Strano. Aber wie es sich für einen italienischen Gastwirt gehört, hat er auch eine Spezialität aus dem Land des Stiefels im Angebot: Sprizz, einen süffigen Aperitif, meist bestehend aus Aperol, Weißwein und Soda. Sein Geheimrezept will er nicht verraten. Nur soviel: << Die Menge machts. >>

Namen sind Schall und Rauch

Es gibt eine goldene Regel an diesem Abend: Namen sind Schall und Rauch. Wer sich eine Maske aufsetzt, will seine Identität nicht preisgeben. Fasching ist dazu da, in eine andere Rolle zu schlüpfen, den Alltag zu vergessen. Auf Nachfrage verraten die meisten höchstens ihren Vornamen, andere schweigen, mancher schwindelt sogar. Auch die Superhelden Batman und Robin lassen sich nur auf hartnäckige Nachfrage ihre Identität entlocken. Kurze Pose in die Kamera, die Muskeln spielen lassen - dann stoßen Inko und Richard mit Pils an und wenden sich wieder der Tanzfläche zu.

Ortswechsel. Eine Gruppe grüner Frauen stürmt ins Musikcafé Notausgang. Mona und ihre Freundinnen haben sich eines der originellsten Kostüme des Abends ausgedacht: Sie gehen als Milchtüten der heimischen Biomarke << Von Hier >>. Die Idee dazu hatten sie in der Sauna, verraten sie und kichern. Ein << Von Hier >>-Aufkleber auf einem mitgebrachten Apfel hatte sie inspiriert. Insgesamt 17 Milchtüten habe sie gesammelt, erzählt eine, denn eigentlich hatten sie auch noch Masken machen wollen. Doch die hätten nur beim Trinken gestört, sind sich die fünf Lindenbergerinnen einig, die sich den Weiberfasching in der Stadt nie entgehen lassen - auch wenn am nächsten Tag nicht alle frei haben.

Ihr Rezept gegen Kater? << Viel Milch trinken - natürlich fettarm >>, sagt eine Milchtüte zum Abschied, ehe es prustend in Richtung Theke und Tanzfläche geht, wo DJ Reverend Herbie Vegass (alias Herbert Kretz) im Schatten einer plüschigen Totenkopfflagge am Mischpult steht. Sein Faschingshit: << Barbra Streisand >> von Duck Sauce.

Ortswechsel. Von hier oben hat man den perfekten Überblick. Das Kura Kura ist gerammelt voll. Indianer, Geister, Krankenschwestern, Männer ohne Kopf - der ganze Laden ist Tanzfläche und Theke zugleich. DJ Johannes Hoch hat alles im Blick. Er stöbert in seinen 800 CDs nach dem passenden Hit für den Moment, animiert die Menge mit dem Mikrofon. Jetzt die Hände in die Luft. Das Partyvolk gehorcht, auch die wenigen, die nicht verkleidet sind. << Die Stimmung ist super, die Leute sind viel früher gekommen als letztes Jahr >>, freut sich Hoch.

Das liegt womöglich am Rathaussturm wenige Stunden zuvor, mutmaßt der Lindenberger. Und sicher ist auch: Nach Hause gehen die heute noch lange nicht.

Bildergalerie im Internet:

www.westallgaeuer-zeitung.de

Wer versteckt sich dahinter bloß? Ihre Namen wollen die sieben prachtvoll verkleideten Massai nicht nennen. Sie feiern lieber anonym. Fotos: Aimée Jajes

Echte Männer - und das am Weiberfasching! Diese Jungs nennen sich selbst << Mantafreunde Westallgäu >>, stilecht mit Vokuhila und weißen Unterhemden ausgerüstet.

Er hat alles im Blick: DJ Johannes Hoch sorgt im Kura Kura für den richtigen Sound. Sein Faschingshit: << Schatzi, schenk mir ein Foto >> von Mickie Krause.

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