Petersthal / Oberallgäu
«In Brüssel noch mehr auf den Tisch hauen»

Wenn sich binnen zwei Jahren der Milchpreis halbiert, sehen sich viele Bauern mit dem Rücken zur Wand, wurde jetzt bei einer Informationsveranstaltung (organisiert vom BDM) in Petersthal deutlich. Um aus der prekären Situation herauszukommen und dauerhaft einen kostendeckenden Milchpreis zu erreichen, plädiert Romuald Schaber schon lange, die flexible Milchmengenbegrenzung in Bauerhand zu legen, wozu es eines gesetzlichen Rahmens möglichst in der EU bedürfe.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) kritisierte vor knapp 600 Besuchern die Milchmengenausweitungen der EU, was zu einem weiterem Preisverfall und Höfesterben führen werde. Leider würden deutsche Politiker und auch Teile des Bauernverbandes nicht voll dagegensetzen, obgleich Deutschland der größte Nettozahler der EU sei. Verbale Unterstützung genieße der BDM durch die CSU, doch müssten Seehofer und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner in Berlin und Brüssel «noch mehr auf den Tisch hauen», betonte Schaber.

Forderungen vor Ausschuss in Brüssel vorgebracht

Als Präsident des European Milk Board versucht Schaber eine Bündelung der Milchbauern in Europa zu erreichen: «Die haben oft dieselben Probleme», der bäuerliche Frust wachse überall. Vor dem neu gewählten Agrar-Ausschuss in Brüssel habe er die Forderungen der Milchbauern vorgebracht.

Die EU-weite, rechtlich abgesicherte Mengenbegrenzung auf Basis einzelbetrieblicher Referenzmengen und der Vollkostenanalyse habe auch hier zu seiner Kernforderung gezählt, ebenso eine sofortige stufenweise Anhebung des Milchpreises durch folgende Maßnahmen: Einschränkung der nationalen Saldierungs-Möglichkeiten, Einfrieren der einprozentigen Quotenanhebung sowie die europaweite Ausschreibung einer freiwilligen, zeitlich begrenzten Mengenreduzierung. Die Zuhörer untermauerten die Forderungen mit Beifall - und Empörung über die Politik.

«Eigentlich ist Bäuerin sein der schönste Beruf der Welt, aber harte Arbeit für ein Almosen - das kanns nicht sein», meinte beispielsweise Bäuerin Lucia Egner aus Obersöchering (Landkreis Weilheim-Schongau).

Viertägiger Hungerstreik vor dem Kanzleramt

Verärgert darüber habe sie mit fünf weiteren Milchbäuerinnen vor dem Kanzleramt einen viertägigen Hungerstreik durchgezogen. «Wenn man bald mit 80 Kühen nicht mehr vernünftig über die Runden kommt, dann ist was faul in diesem Lande», so die Landwirtin.

Viel zu wenig würden große gesellschaftliche Leistungen der Bauern geschätzt: «Wir erziehen unsere Kinder noch selber, wir betreuen unsere Alten noch selber, wir pflegen Dorfgemeinschaft und Kulturlandschaft.»

Doch seien von den 240000 landwirtschaftlichen Betrieben Bayerns im Jahre 1970 gerade noch 50000 übrig.

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