Imposant, scheu und wild

Baisweil | fro | Vor rund sechs Jahren war Wolfgang Riedle wieder einmal mit seinem Motorrad unterwegs, als er auf einer Weide sonderbare Rinder sah. 'Sie waren fremdartig und imposant, drückten etwas Ursprüngliches aus und gefielen mir', so der Unternehmer aus Baisweil. Es waren Auerochsen. Zusammen mit Stefan Negele kaufte sich Riedle drei Auerochsen, inzwischen betreiben sie eine kleine Mutter-Kuh-Zucht.

Dabei nutzt Riedle den aufgegebenen Bauernhof seiner Eltern. Er tauschte zudem Flächen und hat nun ein zusammenhängendes Gebiet oberhalb Baisweils in Richtung Oggenried. Dort weiden zur Zeit 14 Tiere auf zehn Hektar. 'Die Tiere brauchen keinen Stall. Sie sind im Sommer und Winter draußen', erzählt Negele. Diese Haltung mache die Tiere günstig und pflegeleicht: Einen Zaun um die Weide, eine Tränke und einen Fangstand aus Metall - fertig war die Zuchtfläche. Lediglich im Winter bekomme die Herde Zusatzfutter wie Gras, Heu und Salzlecksteine. 'Die fressen sogar Äste. Deshalb bringen uns Nachbarn manchmal ihren Schnitt', so Negele. Außerdem seien die Tiere sehr trittsicher, was die Weide schone.

Zur Robustheit komme bei der Ur-Rasse auch die Wildheit: 'Sie sind scheu und lassen sich nicht gerne fangen, was mühsam bei der Blutabnahme ist. Deshalb haben wir den Fangstand', erklärt Riedle. Doch auch der gebe nur relative Sicherheit: Eine Kuh verfing sich einmal im Tor des Standes, riss dabei mehrere Zaunteile um und rannte dann mit dem Tor um den Hals davon. Erst gefesselt konnte der Tierarzt die Kuh vom Tor befreien, erzählt Riedle. Auch gegen fremde Tiere seien Auerochsen eigen. So habe der Bulle der Herde eine verirrte Kuh von einer Nachbarweide schon mal auf die Hörner genommen und weggeschleudert. Beide Züchter haben zwar Vertrauen zu den Tieren aufgebaut - und umgekehrt. Fangen lassen sich die Urviecher trotzdem nur mit Betäubungspfeilen.

Kolossaler Bulle

Für Riedle und Negele sind die Auerochsen lediglich ein Hobby. Sie betreiben die Zucht im Nebenerwerb. Dennoch verkaufen sie inzwischen etwa fünf Jungrinder pro Jahr. 'Anfragen haben wir aber viele. Wir könnten sogar unsere ganze Herde verkaufen', sagt Riedle. Kürzlich brachten die beiden Züchter einen kolossalen Bullen aus eigener Zucht an den Mann: Der Stier hatte einen Hornumfang von 50 und eine Hornlänge von 99 Zentimetern.

Als Fleischschrasse oder Milchvieh seien die Tiere jedoch nicht lohnend, obwohl sie am ehesten mit Grauvieh oder Allgäuer Braunvieh zu vergleichen seien. Vielmehr käme neben der Mutter-Kuh-Haltung ein anderer Aspekt hinzu: 'Auerochsen sind Rasenmäher - die perfekten Landschaftspfleger', so Negele.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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