Allgäu
Impfpflicht spaltet Bauern und Verbände

Die Impfpflicht bei der Blauzungenkrankheit sorgt im Allgäu für Zündstoff: Sie spaltet nicht nur die Landwirte in zwei Lager, sondern auch die Allgäuer Landräte. Die Frist für die Impfungen ist abgelaufen und langsam zeichnet sich bei den Landratsämtern ab, wie viele Bauern sich tatsächlich geweigert haben, ihre Tiere zu impfen. Nach derzeitigem Stand werden es wohl im Oberallgäu am meisten Landwirte sein. Aber auch in den anderen Allgäuer Landkreisen hat seit der ersten Impfung im vergangenen Jahr die Zahl der Impfverweigerer deutlich zugenommen.

Doch auch auf politischer Seite sorgt die Impfpflicht bei der Blauzungenkrankheit für Wirbel. Der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather wirft seinem Oberallgäuer Kollegen Gebhard Kaiser vor, «trotz Absprache einen Alleingang zu gehen». Auch der Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut fordert von Kaiser eine einheitliche Vorgehensweise: «Wir sind alle gezwungen den Weg der Zwangsgelder zu gehen - auch das Oberallgäu.» Bei einem Treffen aller schwäbischen Landräte haben sich die Politiker auf einen gemeinsamen Weg verständigt. «Es gibt die Möglichkeit Zwangs- oder Bußgelder zu verhängen, oder auch beides. Wir haben uns damals alle für niedrige Zwangsgelder entschieden», sagt Fleschhut.

Kaiser weist die Vorwürfe seiner Kollegen zurück: «Das Oberallgäu geht keinen Alleingang.» Trotzdem stellt er sich hinter seinen Stellvertreter Anton Klotz, der vorerst die Vollstreckung der Zwangsgelder aussetzen will: «Wir haben die Zwangsgeld-Bescheide versandt und werden nicht weiter handeln, bis gerichtlich die Fragen geklärt sind.»

38 Todesfälle nach Impfung

Grund für diese Entscheidung seien auch die Nebenwirkungen, die durch die Impfungen auftreten. «Die Landwirte hatten die Möglichkeit uns Nebenwirkungen nach Impfungen zu melden», sagt Klotz. Dabei seien bei 165 Betrieben unter anderem auch 38 Todesfälle aufgetreten. Zwar seien diese Fälle nicht von Tierärzten geprüft worden, doch bei der Vielzahl an Meldungen gehe er von «beachtlichen Nebenwirkungen» aus.

Noch können die die Landratsämter nicht abschließend sagen, wie viele Impfverweigerer es gibt. Klar ist jedoch, dass es wohl mehr sein werden, als noch bei der ersten Impfung im Jahr 2008: So waren es damals im Oberallgäu beispielsweise noch 65 Bauern. Bei der diesjährigen Impfung dagegen werden es laut Klotz wohl dreimal so viele sein. Der Landkreis Lindau geht von rund zehn Bauern aus und das Unterallgäu rechnet mit 30 bis 40, genauso wie das Ostallgäu. Auch die beiden Bauernverbände sind sich in Sachen Blauzungenkrankheit nicht einig. Der BDM (Bund Deutscher Milchviehhalter) plädiert dafür, die Impfungen auf freiwilliger Basis durchzuführen. Der BBV (Bayerischer Bauernverband) dagegen verteidigt die Impfpflicht.

Biobauern sind sehr kritisch

Ähnlich kontrovers wird dieses Thema auch unter den Landwirten selbst diskutiert. Während Georg Abele von der Kälbererzeugergemeinschaft Allgäu beispielsweise Verständnis für den Impfzwang hat, sehen vor allem Biobauern dies sehr kritisch. «Es hat natürlich immer zwei Seiten, aber wenn ich meine Tiere nicht impfen lasse, kann ich sie nicht ins Ausland exportieren», sagt Abele. Xaver Herz, Biobauer aus Oberstaufen, dagegen hat seine Tiere nicht impfen lassen. «Ich bin Direktvermarkter, und solange mir niemand garantieren kann, dass es für Milch und Fleisch unbedenklich ist, werde ich nicht impfen lassen.»

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