Kempten
Immer noch keine klare Tendenz in Sachen Tiefgarage

Für den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden von St. Lorenz ist eines ganz klar, wenn es um die Gestaltung des Hildegardplatzes geht: «Die Sicherheit der Basilika hat Priorität», sagt Dr. Thomas Höbel. Und Versicherungen der Statiker, dass mit dem Bau einer Tiefgarage nichts passieren könne, hin oder her: «Die Sorge bleibt.» Andererseits: «Es ist wichtig, dass dieser zentrale Platz genügend Parkmöglichkeiten bietet - für die Geschäfte, die Kirche und die Veranstaltungen. Das spräche für eine Tiefgarage.»

Und so verspürt Höbel in seinem Gremium << eine gewisse Zerrissenheit darüber, wofür man sich entscheiden soll >>. Da hat der Pfarrgemeinderat von St. Lorenz etwas mit Kemptens Bürgerschaft gemeinsam: Die kann sich nämlich auch nicht darauf einigen, in welche Richtung - ob nun Tiefgarage oder nicht - es gehen soll. Wie berichtet hatte die Stadtverwaltung im Juni bei einer Infoveranstaltung Karten für die Bewertung der drei vorgestellten Varianten verteilt. Die Auswertung stellten OB Dr. Ulrich Netzer, Baureferentin Monika Beltinger und Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann gestern vor.

Welche Variante kann die Ziele, die man mit einer Platzgestaltung anstrebt (siehe Infokasten), erreichen?, war die Frage. Dabei schnitt die kleine Tiefgaragenvariante bei den Bürgern jeweils am schlechtesten ab. Die weiteren Ergebnisse:

In Sachen Aufenthaltsqualität hat die große Tiefgaragenvariante mit 73 Prozent die Nase leicht vorn (70 Prozent erhielt das oberirdische Parken). Am meisten Raum für Gastronomie sehen die Bürger mit der oberirdischen Variante (75 Prozent) und auch bei Sicherung der bestehenden Struktur (88 Prozent) und Erreichbarkeit der Geschäfte (93 Prozent) sehen sie das oberirdische Parken als am sinnvollsten an. Eine große Tiefgarage sei für die Verbesserung der Marktfunktionen (85 Prozent) wichtig. Allerdings: Zählt man die Stimmen nach Für und Wider Tiefgarage aus, bekommen ober- und unterirdisches Parken genau gleich viele Stimmen.

Auf den Rückseiten von 93 der Zettel fand die Verwaltung zudem Anregungen und Kommentare der Bürger. Dabei ging es, erläuterte Oberbürgermeister Netzer, wie in den vergangenen Diskussionen wieder um vier große Themen: Die Finanzierung, die Bauzeit und ihre Auswirkungen auf die Geschäfte am Hildegardplatz, die Anzahl der Stellplätze - wie berichtet wünschen sich einige Bürger eine oberirdische Version mit weniger als den im Verkehrsgutachten geforderten 100 bis 120 Parkplätzen - sowie mögliche Gefahren für die Basilika beim Bau einer Tiefgarage.

Auf letzteres Thema ging Tiefbauamtsleiter Wiedemann noch einmal genauer ein. Wie er erläuterte, hätten die statische Begutachtung der Basilika und Schwingungsuntersuchungen vor allem der beiden Haupttürme folgende Erkenntnis gebracht: << Jedes Glockengeläut ist für das gesamte Bauwerk eine größere Belastung als sie der Bau einer Tiefgarage sein könnte. >>

Und wie geht es nun weiter? Über eine Anregung eines Bürgers, nämlich dass man doch von der Tiefgarage am Königsplatz aus eine U-Bahn zum Hildegardplatz bauen könnte, werde man sicher nicht weiter nachdenken, meinte Wiedemann augenzwinkernd. Ansonsten aber, betonte Netzer, werde die Stadt weiter Meinungen sammeln. Unter anderem eben auch am 7. Oktober im Kornhaus, wenn bei einer offenen Runde unter dem Motto << Jetzt red I >> jeder seine Meinung kundtun darf - und soll.

Die Befragung zur Gestaltung des Hildegardplatzes

191 Bürger haben den Bewertungsbogen ausgefüllt. Mit Punkten in drei verschiedenen Farben (eine für jede der drei Varianten) sollten die Bürger auf einer Skala von null bis 100 Prozent bewerten, inwieweit mit welcher Variante die Ziele, die der Arbeitskreis für eine Platzgestaltung festgelegt hat, erreicht würden. Um folgende Ziele ging es:

? Attraktiver städtischer Platz mit Aufenthaltsqualität

? Raum für Attraktionszonen und Gastronomie

? Parkangebot zur Sicherung der bestehenden Struktur

? Erreichbarkeit der Geschäfte

? Marktfunktion verbessern

Allerdings haben nur 90 Bürger alle drei Varianten in den fünf Fragen bewertet. Die andere Hälfte der Befragten bewertete von vornherein nur eine Variante – und ein Teil davon auch nur einzelne Bereiche.

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