Immer nach vorne schauen

Kempten (kro). 'Wenn alles über einem zusammenbricht, bedeutet jeder einzelne Schritt eine ungeheuere Anstrengung, trotzdem muss man weiter gehen und immer den Blick nach vorne richten', sagt Karl-Heinz Grzelak. Der 30-jährige Familienvater muss einen harten Schicksalsschlag bewältigen. Seine Frau Nicole bleibt nach einem Herzsinfarkt ein Pflegefall. Doch das ist noch nicht die ganze Geschichte.

Vor fünf Jahren waren Nicole und Karl-Heinz Grzelak glücklich. Nach ihrer ersten Tochter Selina sollte endlich das ersehnte zweite Kind zur Welt kommen. Doch dann erlitt die kleine Ronja bei der Entbindung eine Gehirnblutung. Die Folge: eine einseitige Lähmung. 'Mit viel Liebe haben wir unsere Tochter gepflegt, mit allen medizinischen und therapeutischen Behandlungen', erzählt der Vater. Die spastisch gelähmte Fünfjährige ist trotz ihrer Behinderung zu einem glücklichen Kind herangewachsen. Eine Frohnatur, die gerne spielt und mit Freude den Kindergarten besucht. So konnte die Mutter nebenbei kleine Jobs annehmen.

Bis zu jenem Tag, als von einer Minute auf die andere nichts mehr war wie zuvor. 'Meine Frau weckte mich in den frühen Morgenstunden, ihr war übel, sie hatte Schmerzen im Oberkörper und in den Armen.' Der Arzt ordnete sofort eine Einweisung ins Krankenhaus an. 'Doch im selben Moment verlor meine Frau das Bewusstsein - Vorderwandinfarkt', erzählt der 30-Jährige. Zwar wurde seine Frau vom Notarzt reanimiert. Doch auf der Intensivstation erfuhr er die erschütternde Diagnose: Nicole wird ein Pflegefall bleiben 'In so einem Moment, verliert man den Boden unter den Füßen', sagt Grzelak.

Nach einem mehrwöchigen Klinikaufenthalt folgte die Reha, wo sich die 33-jährige Mutter auch derzeit noch befindet. Dort - 120 Kilometer von Kempten entfernt - besucht sie ihr Mann mit den beiden Mädchen Ronja und der elfjährigen Selina so oft es geht: 'Sie erkennt inzwischen ihre Familie wieder, kann jetzt auch essen, sprechen und gehen. Aber ihr Kurzzeitgedächtnis arbeitet nicht. Sie braucht eine Rundumbetreuung.' Die will jetzt Nicoles Mutter, Ingrun Wagner, übernehmen. Was allerdings die räumliche Nähe zu ihrer Tochter voraussetzt. Und Ingrun und Karl Wagner haben auch noch einen 19-jährigen Sohn, Timo, der zu Hause lebt. Nun ist Karl-Heinz Grzelak auf der Suche nach einem Haus in Kempten, zu einem erschwinglichen Mietpreis, in dem beide Familien Platz finden, um die künftigen Aufgaben gemeinsam zu bewältigen.

Hilfe von Kollegen

'Die Idee, sich an die Zeitung zu wenden, hatten meine Kolleginnen. Ich war zunächst dagegen, weil ich nicht wie ein Bettler da stehen wollte', gesteht Grzelak. Der gelernte Bäcker hat bei einer Kemptener Firma einen sicheren Arbeitsplatz, den er künftig wieder pünklich um sechs Uhr antreten möchte. Seit der Erkrankung seiner Frau war dies nicht möglich, da er sich morgens erst um seine Töchter kümmern musste. Selina besucht die Realschule in Kempten. Ronja benötigt trotz ihrer erworbenen Selbstständigkeit noch Hilfe und muss in den Kindergarten gebracht werden.

'Ohne die Unterstützung meines Betriebs und der Kollegen wäre das alles nicht möglich gewesen', betont der dankbare Familienvater. Eine glückliche Erfahrung - auch dass die Kollegen spontan Geld sammelten und die Geschäftsleitung 2000 Euro drauflegte. Dies bekräftigt seine Devise: 'Immer nach vorne schauen, irgenwie muss es ja weiter gehen.'

iWer ein Haus an die Familien Grzelak und Wagner vermieten möchte, kann sich unter Telefon 08 31/5 74 46-12 bei der Firma Greinwald in Kempten melden oder direkt bei Karl-Heinz Grzelak unter der Handy-Nummer 0179/5 32 82 87.

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