Marktoberdorf | af
Immer mehr kaufen Lebensmittel bei der «Tafel»

«Fröhliche Weihnacht überall, tönet durch die Lüfte froher Schall.» Besonders in diesen Tagen wird das Lied aus der Feder von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben besonders gern angestimmt. Dabei ist von fröhlicher Weihnacht nicht überall etwas zu spüren. Das weiß Franz Gast, Kreisgeschäftsführer der Caritas, nur zu gut. Denn diese Organisation betreibt unter anderem in die «Tafel», eine Einrichtung, in der gespendete Lebensmittel gegen einen kleinen Beitrag an Personen abgegeben werden, die sich finanziell nach der Decke strecken müssen.

Etwa 60 Abholer sind es, die Woche für Woche zur «Tafel» in der Schützenstraße (hinter Metzgerei Boneberger) nach Lebensmitteln anstehen. Auf diese Weise werden an die 150 Personen versorgt. Jeder Fünfte der Abholer ist alleinstehend. Alleinerziehend sind insgesamt 16 Prozent der Kunden.

Senioren scheuen den Weg

Mit zehn Prozent verhältnismäßig gering ist die Zahl der Senioren über 60 Jahre. «Das sind viel weniger als berechtigt wären», ist sich Gast sicher. Doch sei bei ihnen die Scheu zu stark. Gerade die ältere Generation vermeide den Weg zur «Tafel». Zu groß sei die für den Geschäftsführer unbegründete Furcht, als Bittsteller angesehen zu werden.

Auch drei Jahre nach der Eröffnung ist die Zahl der Abholer gleich geblieben. Aber nur auf den ersten Blick. Denn in dieser Zeit sind in Füssen und Buchloe unter der Regie der Caritas ebenfalls «Tafeln» eingerichtet worden. Sie werden nun zum Teil von Personen genutzt, die in der Anfangszeit nach Marktoberdorf gekommen waren. Mit anderen Worten: In Marktoberdorf steigt die Zahl derjenigen, die Anspruch darauf haben, in der «Tafel» einkaufen zu können.

Dass sich daran viel ändert, glaubt Gast nicht. Er fürchtet vielmehr, dass die Zahl angesichts der derzeitigen Wirtschaftsprognosen steigen wird. «Die Armut wird zunehmen, speziell die Altersarmut. Das wird noch dramatisch.»

Weiteres Personal gesucht

Aus diesem Grund werde seit längerem überlegt, außer Donnerstag (15.30 bis 17 Uhr) einen zweiten Öffnungstag anzubieten. Das wiederum bedinge, dass sich weiteres ehrenamtliches Personal findet. 45 Personen sind es bisher, die unter der Regie von Jutta Zimmermann-Cheeseman die Einrichtung beleben. «Mindestens 20 weitere wären dann nötig.»

Doch für Gast ist nicht allein die Versorgung mit Lebensmitteln wichtig. Er möchte die «Tafel plus». So kommt Sozialberaterin Heide Lerchenmüller, die sonst täglich in der Caritas-Geschäftsstelle anzutreffen ist, wechselweise zu den Ostallgäuer «Tafeln». «Dort haben wir den direkteren Kontakt zu den Menschen», begründet Gast.

Auch die Mitarbeiter seien kreativ und ließen sich immer wieder etwas Neues einfallen, sei es eine Tombola in der Adventszeit oder der heiße Tee, der den in der Kälte Wartenden gereicht wird.

Ein Problem sei, dass «wir nach wie vor zu wenig Waren haben». Er ist denjenigen dankbar, die der Einrichtung seit Jahren helfen, und er ist dankbar für alle weiteren Spenden, sei es in Form von Naturalien oder Geld, das zweckgebunden eingesetzt wird. So freute es ihn, als vor kurzem Mädchen und Buben aus den Kindergärten Bertoldshofen und Buchel sowie aus dem Waldkindergarten angestapft kamen. Sie überbrachten Waren und Geld im Gesamtwert von gut 500 Euro. Es war ihr nachahmenswerter Beitrag dafür, dass noch mehr Menschen singen können: «Fröhliche Weihnacht überall, tönet durch die Lüfte froher Schall.»

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