Imme Jubiläum - Eine Biene mit zwei Zylindern

Schwalbenschwanz-Auspuff, gefederter Motor und einseitig aufgehängte Räder: In einer Immenstädter Montagehalle bastelt Konstrukteur Norbert Riedel nach dem Zweiten Weltkrieg an einem innovativen Zweizylindermotor. Wenig später präsentiert er der Motorradwelt seine grazile 'Imme' - benannt nach dem Oberallgäuer Geburtsstädtchen Immenstadt und der fleißigen Honigbiene (mundartlich 'Imme'), an welche das zierliche Leichtmotorrad mit seinem hellen Auspuffton erinnert.

Ingenieur Riedel wäre heuer im April 100 Jahre alt geworden. Anfang der 1960er Jahre verunglückte der Familienvater bei einem Skiwochenende im Wintersportort Zürs (Vorarlberg): Eine Lawine verschüttete und tötete ihn.

Überlebt bei Motorradfans hat die Begeisterung für Riedels grazilen Zweitakter-Motor im Bauch der Biene, der laut Insidern die Motorradwelt der Nachkriegsjahre maßgeblich inspirierte und seiner Konkurrenz weit voraus war.

Eine Fachzeitschrift schrieb über Ingenieur Riedel, der zu arm war, um die Kosten für seine universitäre Abschlussprüfung zu bezahlen und deswegen kein Diplom hatte: 'Die Konkurrenz zittert schon, wenn Riedel nur den Zeichenstift in die Hand nimmt.' Dabei hätte der Sohn eines Juweliers eigentlich Goldschmied werden sollen. Aber er brach die Ausbildung ab und tauschte Pinzetten und Scharnierschneider gegen den Schraubenzier.

Sein Leichtmotorrad Imme, das er zwei Jahrzehnte später entwickelte, wurde rund 12 000 Mal verkauft. Der Preis: 775 D-Mark. Dabei kalkulierte Riedel messerscharf – und sparte an der Ausstattung: Die Maschine hatte anfangs weder Batterie noch Tachometer und alle Modelle liefen in der gleichen Farbe vom Band: oxydrot.

Das Motorrad war so erfolgreich, dass es in rund 40 Länder verkauft wurde. Dennoch brach die Riedel AG Ende 1950 wirtschaftlich zusammen: Schuld waren eine zu knappe Kalkulation und die Häufung von Garantieschäden. Aber noch heute halten Mitglieder des Immenstädter Vereins Imme Schwarm die Geschichte des Leichtmotorrads lebendig.

Literatur Steffen Riedel, Sohn des Erfinders Norbert Riedel, hat ein Buch über die Arbeit seines Vaters geschrieben. Ende April soll es unter dem Titel 'Norbert Riedel – Geschichte der Imme und anderer Konstruktionen' erscheinen.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2019