Erkheim
«Im Zweifel für das Leben»

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Im Fall einer schweren Krankheit nicht mehr über das eigene Wohl entscheiden zu können, ist für viele eine schreckliche Vorstellung. Wenn ein plötzlicher Unfall lebenserhaltende Maßnahmen erfordert wie zum Beispiel an einem Beatmungsgerät angeschlossen zu werden, dann kann der Wille des Patienten nur noch rekonstruiert werden - was nicht immer in dessen Sinne sein muss. «In dubio pro vita - im Zweifel für das Leben», betonte die bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk bei einem Vortrag zum Thema Patientenverfügung am Mittwochabend in Erkheim.

Vor über 100 Zuhörer sprach sie über das zum 1. September in Kraft getretene Gesetz, das regelt, in welchem Umfang der vorab geäußerte Wille beachtet werden soll, wenn der Patient ohne Bewusstsein nur noch mit Hilfe von Pflegern und Apparaten am Leben gehalten wird.

«Das neue Gesetz soll Klarheit schaffen und ist eigentlich nur ein Festhalten an der Rechtslage der letzten Jahre», erklärte die Ministerin. Falls jemand seinen Willen nicht mehr selbst äußern könne und keine Patientenverfügung vorhanden sei, würden alle medizinischen Maßnahmen eingeleitet, um die Person am Leben zu erhalten. Es sei denn, ein vom Gericht bestimmter unabhängiger Dritter entscheidet im Sinne des Patienten, dass die Geräte abgeschaltet werden sollen. «Wer nicht möchte, dass ein Fremder solche persönlichen Entscheidungen trifft, der sollte eine Patientenverfügung verfassen», so Merk.

Die Benennung eines sogenannten Betreuungsbevollmächtigten könne jedem «ein Sterben in Frieden sichern», auch wenn man sich selbst nicht mehr dazu äußern kann.

Geräte nicht von heute auf morgen abstellen

Dr. Max Kaplan stellte die Sicht der Ärzte dar. «Die Angehörigen müssen auch verstehen, dass man Geräte nicht von heute auf morgen abstellt, auch wenn es so verfügt ist», erklärte der Vizepräsident der bayerischen Landesärztekammer. Wenn ein Patient im Koma liege, könnten Ärzte nicht immer auf Anhieb sagen, ob die Person wieder aufwachen wird und wie groß deren Chancen auf Genesung sind.

Information Eine Broschüre zum Thema Patientenverfügung hat das Bundesjustizministerium erstellt. Interessierte finden dort genaue Formulierungsvorschläge. Der Ratgeber steht im Internet unter www.bmj.de/patientenverfügung

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