Marktoberdorf / Namibia
Im Waisenhaus in Afrika

Ein halbes Jahr hat die Marktoberdorferin Anna Zwick in einem Waisenhaus sowie als Lehrerin auf Zeit in Namibia gearbeitet. Zurück im Ostallgäu kann die Krankenschwester einiges über ihr Leben in Afrika - auch über Armut und Kriminalität - erzählen. Wir berichten über ihre Erfahrungen.

Ihre beiden Arbeitsstellen - ein Waisenhaus in der Hauptstadt Windhoek und eine Schule im Norden des Landes sowie eine Wohnmöglichkeit - bekam Anna über die Organisation «World Intern» vermittelt. Von Anfang an sei ihr klar gewesen, dass die Hilfe, die sie leisten möchte, in Namibia nicht entlohnt werden kann, sagt Anna. So begann denn auch jeder ihrer Arbeitstage im Waisenhaus mit einem Obulus an den Taxifahrer, da dieses 13 Kilometer von ihrem Wohnheim entfernt lag und Busfahren für Weiße als zu gefährlich gilt.

Überhaupt sei - neben Aids - die Kriminalität vor allem in der Hauptstadt allgegenwärtig, berichtet Anna: Man müsse damit leben, dass man als Weißer mit Wohlstand in Verbindung gebracht wird und sich entsprechend vorsichtig verhalten. Weiße leben hinter Mauern, ein abendlicher Ausgang, ein lockerer Stadtbummel ist kaum möglich, erzählt Anna.

In ihr Wohnheim wurde mehrmals eingebrochen und auch Überfälle bekam sie selbst mit.

In dem Waisenhaus mit Namen «Hope Village» arbeitete sie im so genannten Babyhaus mit fünfzig Kindern bis zu achtzehn Jahren. Nach nur wenigen Schnuppertagen ergriff Anna dort bereits die Initiative, wie sie erzählt: Mit anderen «Volunteers» (freiwilligen Helfern) kaufte sie erst einmal für jedes Kind zwei Waschlappen. Das habe zur Folge gehabt, dass die Bindehautentzündungen bei den Kindern merklich abnahmen. Zudem besorgte sie Zahnbürsten und immer wieder Lebensmittel, um mit den Kindern zu kochen. «Ich hatte ganz einfach das Gefühl, dass sie nicht richtig satt werden.»

Freudentränen bei der Heimleiterin hätten die Spenden ausgelöst, die Anna aus ihrer Heimat - von ihrer Familie, von Freunden, Nachbarn, Kollegen, aus der Glühweinaktion des Burschenvereins oder ihrer Sportvereinskameraden - mitbrachte. «Jeder Euro ist dort angekommen, wo er am dringendsten gebraucht wird», berichtet sie nun.

Nach ihrer Tätigkeit in dem Waisenhaus unterrichtete Anna für acht Wochen Mathe, Englisch und Musik in einer Schule auf dem Lande. Dort habe sie mehr Freiheit verspürt, meint sie, dafür einfachstes Leben bei ihrer afrikanischen Gastfamilie erfahren. Zudem habe sie während ihrer achtwöchigen Anwesenheit dafür gesorgt, dass Schüler nicht geschlagen wurden.

Armut in Simbabwe

Mit Begeisterung hätten die Kinder die Jahresuhr von Zuckowski auf deutsch gelernt und die gesamte Schule habe ihr ein Abschiedsfest bereitet. Anna nützte auch mehrere Gelegenheiten, das Land auf Ausflügen kennen zu lernen. Erschrocken ist sie über die Armut in Simbabwe, das sie bei einer Tour mit Freunden zu den Viktoriawasserfällen streifte.

Vieles in Afrika sei so anders, aber man komme damit zurecht, wenn man sich immer wieder vor Augen halte, dass jedes Land seine eigenen Gebräuche, Sitten und Lebenseigenschaften habe, resümiert sie ihr Leben in Afrika. Gerne hätte sie ihren Aufenthalt verlängert - wenn nicht die verbindliche Zusage ihrer Arbeitsstelle am Krankenhaus in Kaufbeuren gewartet hätte

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