Im Tiefflug durchs Stromnetz

Biessenhofen/Ostallgäu | vit | Das Wetter wäre ideal für einen Panoramaflug entlang der Alpen. Doch die Ziele, die Gunter Wlasak an diesem Tag mit seinem Hubschrauber anfliegt, sind für den Normalbürger eher unspektakulär: Von Strommast zu Strommast fliegt er das Leitungsnetz in der Region ab. Seine Passagiere sind Manuela Krist und Richard Bottner von der Betriebsstelle der Lechwerke (LEW) in Biessenhofen. Und die Beiden richten ihren Blick konzentriert vor allem auf Kabel und Masten.

Ein Teil des Betriebsparkplatzes bei der LEW-Betriebsstelle war in den vergangenen Tagen zum Hubschrauberlandeplatz umfunktioniert worden. Immer wieder startet Wlasak dort seinen Helikopter. Eine Woche lang ist er in verschiedenen Teilen Schwabens unterwegs, um im Auftrag der LEW das Netz zu kontrollieren.

Fünf Meter an die Kabel ran

Die Aktion dient der Versorgungssicherheit der Kunden, also eigentlich aller Haushalte in Schwaben, die ihren Strom über das Netz der Lechwerke beziehen. Die Hochspannungsleitungen (110 kV), die Autobahnen für den Energiefluss, werden schon seit vielen Jahren regelmäßig vom Hubschrauber aus kontrolliert, erklärt Richard Agerer, Pressesprecher der LEW. Seit 2007 steuert man nun auch das Mittelspannungsnetz mit dem Hubschrauber an. Agerer vergleicht es mit «Landstraßen», denn es bringt den Strom in jedes Dorf.

Das Mittelspannungsnetz (20 kV) umfasst im LEW-Bereich fast 7200 Kilometer. 3642 Kilometer davon sind Freileitungen, die an Masten aus Beton, Stahl und Holz hängen. Oft stehen diese Masten in unwegsamem Gelände. Daher ist es einfacher, sie von der Luft anzusteuern. Heuer finden sich rund 600 Kilometer auf dem Flugplan. Rund 250 Kilometer liegen im Bereich der Betriebsstelle Biessenhofen zwischen Kaufbeuren, Auerberg und Unterthingau. Das Netz hat es in sich: Hier gibt es besonders viele Abzweigungen und dann gilt es immer wieder zurückzufliegen und vom Knoten aus den nächsten Leitungsstrang abzufliegen. Eine zeitraubende Arbeit, die viel Konzentration erfordert.

Gunter Wlasak profitiert dabei von rund 500 Flugstunden pro Jahr. «Ich verfüge über einen Erfahrungsschatz von fast 30 Jahren.» Doch Routine sollte sich am Steuerknüppel nie einschleichen. Denn mit 30 Stundenkilometern in zehn bis 20 Metern Höhe bis zu fünf Meter an einen Mast heranzufliegen oder neben den Stahlseilen in der Luft stehen zu bleiben, ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Erfahrung gefragt

Dort ist auch die Erfahrung von Richard Bottner und Manuela Krist gefragt. An diesem Tag begleiten sie Wlasak durch das Netz.

Genau inspizieren sie die Masten: Gibt es Blitzeinschläge? Vogelnester? In welchem Zustand ist die Leitung? Hat ein Jäger versehentlich einen Porzellan-Isolator angeschossen? Jeder Schaden wird aufnotiert. Diese Liste ist dann Grundlage für viele Monate Arbeit. Denn wenn Wlasak wegfliegt, legt das Bodenpersonal der LEW richtig los und repariert die Schäden.

Der Kunde profitiert davon, indem er möglichst wenig merkt: Während in Spanien 2006 jeder Haushalt im Durchschnitt fast zwei Stunden ohne Strom war, saßen die Deutschen nur 21 Minuten im Dunkeln. Im LEW-Gebiet, so Agerer, waren es nur 20 Minuten und 2007 steigerte man sich weiter auf 16 Minuten. Vielleicht hilft ja der 20000 Euro teure Piloteneinsatz, dass man noch besser wird.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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