Allgäu
Im Theater droht der Rückschritt

Das ist ein herber Verlust für die Theaterszene in Kempten, ja im gesamten Allgäu: Peter Baumgardt, der rührige Direktor wird seinen Vertrag nicht über Mai 2010 hinaus verlängern, weil die Stadt ihm nicht jene Kompetenzen zugesteht, die er sich wünscht. Und weil sie seinen überschwänglichen künstlerischen Elan bremst. Gerne hätte er dem Publikum noch mehr Theater, Musik, Tanz und Literatur im Stadttheater angeboten. Doch das hätte den Finanzrahmen gesprengt. Darüber haben der Oberbürgermeister und die Stadträte nicht mit sich reden lassen. 1,2 Millionen Euro jährlich fürs Theater seien genug, sagen sie.

Viele wunderten sich, als Baumgardt, der schon größere Theater in bedeutenderen Städten leitete, 2007 die Leitung des damals gerade renovierten Hauses übernahm. Eine Nummer zu groß sei er und werde in Kempten nicht glücklich, prophezeiten sie. Sie haben recht und unrecht zugleich.

Ja, Baumgardt wollte hoch hinaus, höher, als Kempten bereit war, mitzugehen. Aber Baumgardt war auch der richtige Mann zur richtigen Zeit. Er hat dem Stadttheater einen Raketenstart beschert.

Gemäß der Liedzeile «Im Theater ist was los» von Georg Kreisler brannte er ein Feuerwerk von kleinen und großen Veranstaltungen ab, brachte Eigen- und Co-Produktionen auf die Bühne und euphorisierte damit nicht nur das Stammpublikum, sondern holte auch neue Zuschauer in das schmucke Theater.

Jetzt geht - zu Recht - die Angst um, dass im Theater ab 2010 weniger los sein wird. Um dies zu verhindern, wird die Stadt bei der Auswahl des Nachfolgers beziehungsweise der Nachfolgerin Baumgardts ein sehr glückliches Händchen haben müssen. Und das reicht vermutlich nicht einmal. Auf längere Sicht müssen sich die Stadtpolitiker überlegen, ob sie dem Theater attraktivere Rahmenbedingungen geben - in organisatorischer wie finanzieller Hinsicht. Da hängt Kempten im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größe hinterher.

Nein, Kempten ist noch keine Theaterstadt geworden - trotz des furiosen Auftritts von Baumgardt. Sie wird es erst dann, wenn in der Politik (Zuschüsse), aber auch in der Wirtschaft (Sponsorengelder) das Stadttheater langfristig einen höheren Stellenwert erhält. Eine breite Diskussion darüber müsste jetzt beginnen.

Standpunkt

von Klaus-Peter Mayr

mayr@azv.de oder Fax 0831/206-137

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