Im Streifenwagen mit den Radprofis unterwegs

Von Stephan Schöttl | Kaufbeuren Ein begeisterter Radfahrer war Karl Höß schon immer. Bis zu 6 000 Kilometer tritt der stellvertretende Leiter der Kaufbeurer Polizeiinspektion auch heute noch pro Jahr in die Pedale, ehrenamtlich ist er als Vorsitzender des 'Fördervereins für talentierte Radsportler im Allgäu' tätig. Und so war es wenig verwunderlich, dass der Polizeihauptkommissar vor kurzem einen ziemlich sportlichen Anruf aus dem Polizeipräsidium Schwaben erhielt. Ob er denn als Leiter der Motorradstaffel der bayerischen Polizei die Deutschland-Tour der Radprofis begleiten wolle, wurde er gefragt. Überlegen musste der 55-Jährige freilich nicht lange. 'Ich habe schon mehrere Rundfahrten begleitet und mache das gerne', sagt er.

Am gestrigen Freitag startete der Radsport-Höhepunkt in Deutschland mit 23 Profi-Teams. Doch für Höß begannen die Vorbereitungen schon viel früher. Zunächst galt es, die einzelnen Etappen abzufahren und für den Veranstalter eine Streckenbeschreibung zu erstellen. Was hat die Polizei zu tun? Welche Aufgaben bekommt die Feuerwehr? Wo sind gefährliche Einmündungen? Jede einzelne Verkehrsinsel, jedes Straßenschild und jeder Bahnübergang mussten notiert werden. 'Diese Punkte werden dann in den Streckenplan und gleichzeitig als GPS-Punkte in einen interaktiven Routenplaner eingetragen', erklärt Höß. Daraus resultiert das Tourbuch für die Begleitmotorräder.

Seinen ersten Einsatz als Chef des mobilen Begleitkommandos hat Höß am Montag. Dann, wenn die Radprofis den Bodenseekreis erreichen. An der Landesgrenze Baden-Württembergs übernimmt die bayerische Polizei den Tross und führt ihn nach Sonthofen. Höß wird mit seinem Einsatzwagen direkt vor dem Feld fahren und beobachten, wie sich das Rennen entwickelt. Die Informationen gibt er von dort aus weiter an einen Motorradkorso, der rund eine Viertelstunde vor dem ersten Rennradler die lange Karawane anführt.

Von den rund 30 Mitgliedern der Motorradstaffel fordert Höß vor allem Disziplin: 'Das Rennen im Rennen gibt es nicht. Nicht für uns Polizisten und auch nicht für die Begleitfahrzeuge.' Die eingesetzten Beamten seien allesamt 'hochqualifizierte Kradfahrer'. Sie sitzen pro Etappe rund neun Stunden am Stück im Sattel. Höß: 'Stellenweise müssen sie zudem mit fast 70 Stundenkilometern durch eine Gasse fahren, die kaum einen Meter breit ist. Da ist Können erforderlich.'

Doch auch an sich selbst stellt er hohe Ansprüche. Es sei oberstes Gebot, ruhig zu bleiben, die Taktiken der Radprofis richtig zu lesen und zu keinem Zeitpunkt des Rennens Hektik aufkommen zu lassen. Wenn dann schließlich am kommenden Freitag auch das Einzelzeitfahren in Fürth beendet ist, dann beginnt für den 55-Jährigen wieder der Polizeialltag in der Wertachstadt.

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