Kabale
Im Hier und Gestern im Landestheater Schwaben

Es hat wenig von seiner Aktualität eingebüßt, dieses 'bürgerliche Trauerspiel' von Friedrich Schiller. 'Kabale und Liebe', uraufgeführt 1784, verhandelt ja auch Zeitloses: Liebe und Eifersucht, gesellschaftliche Klassen, Borniertheit, Machtmissbrauch. Ein Familiendrama und sozialpolitisches Lehrstück gleichermaßen. Insofern eignet es sich bestens, um die Spielzeit des Landestheaters Schwaben zu eröffnen. Allerdings gelingt es Regisseur Peter Kesten, dem Oberspielleiter des LTS, nur teilweise, die Relevanz des Stoffes so zu präsentieren, dass sie mitnimmt.

Er und sein Team geben sich alle Mühe, das zeitlos Gültige herauszuarbeiten: mit einem modern-funktionalen Bühnenbild; mit Kostümen, die zwar der Gegenwart verhaftet sind, aber Typen betonen (beides von Franziska Harbort); indem der Liebesgeschichte zwischen der bürgerlichen Luise und dem adeligen Ferdinand stärkeres Gewicht gegeben wird als der politisch-gesellschaftlichen Brisanz, die im Standesunterschied steckt.

Dennoch bleibt Kesten auf halber Strecke stehen, verortet die Geschichte, die in der Katastrophe endet, nicht konsequent im Hier und Heute, damit sie so fesselt, wie sie es in den Sturm-und-Drang-Zeiten ihrer Entstehung vermochte. Dazu hätte er auch den Text fürs Publikum heute verständlicher machen müssen.

So wird diese – gleichwohl sorgfältige – Inszenierung von 'Kabale und Liebe' eher zu einem fein glänzenden Museumsstück als zum starken Spiel um menschliche Leidenschaften und gesellschaftliche Missstände.

Dass die Aufführung im Memminger Theater am Ende doch berührt, ist den Darstellern zu danken: André Stuchlik als gnadenlosem Präsidenten-Vater, Fridtjof Stolzenwald als überfordertem Bürger-Vater, Chris Urwyler als diabolisch-verschrobenem Intriganten und Matthias Wagner, der die Verkommenheit des Adels im Hofmarschall Kalb herrlich überdreht sichtbar werden lässt.

Getragen wird das Stück von den beiden unglücklich Liebenden: Von Matthias Tuzar, der allerdings eine Spur zu jugendlich wirkt für den Ferdinand (und auch sprachlich-gestisch noch ausbaufähig ist), und von Carolin Jakoby, der Neuen am LTS.

In jeder Sekunde, in jeder Bewegung spiegelt sich in ihrem Spiel Luises Zerrissenheit. In Augen, Gesicht, Bewegung und Gang drückt sie jenes Dilemma aus, in das sie gestürzt wird – durch miese Intrige (Kabale), durch Erziehung, durch Erwartungen ihrer Familie, und natürlich durch die Liebe zu Ferdinand.

Berührend die Momente, wenn sie sich einrollt, um die Welt abzuwehren, wenn sie entrückt in die Ferne blickt, wissend, dass sie dem Strudel, in den sie gerissen wird, nicht mehr entkommt. Ein großartiges Debüt.

Wieder am 13. Oktober, 18., 20., 21. und 22. November.

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