Erdenlicht
Im Geburtshaus in Kempten sollen die Lichter nicht ausgehen

Eigentlich gibt es Grund zur Freude im 'Erdenlicht' in der Kemptener Innenstadt. Immerhin feiert die Hebammenpraxis Jubiläum - vor einem Vierteljahrhundert wurde sie gegründet. Doch es mischt sich ein Wermutstropfen in die Feierlaune der fünf Hebammen Elisa Haupenthal, Brigitte Ewender, Ingrid Notz, Vroni Lutter und Susanne Luger.

Und zwar in Gestalt der hohen Prämien, die die Hebammen für die Berufshaftpflichtversicherungen zahlen müssen - knapp 3700 Euro pro Geburtshelferin und Jahr. Vor über einem Jahr waren die Kemptener Hebammen in München bei einer Kundgebung gegen die hohen Prämien dabei. Und sie fürchteten darum, wie es auf Dauer überhaupt weitergehen werde im Erdenlicht. Wie ist die Situation heute?

Eine Frage, bei der Elisa Haupenthal und Brigitte Ewender ironisch auflachen. "Eine positive Perspektive gibt es nicht", sagen die beiden. Neben Ulm und Füssen ist das Geburtshaus die einzige Einrichtung dieser Art in der Umgebung. Um es halten zu können, haben die Hebammen die Gebühren für die werdenden Eltern erhöht. Für die fünfwöchige Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft der Geburtshaushebammen zahlten Frauen vor einem Jahr 180 Euro aus eigener Tasche. Inzwischen sind es 250 Euro.

Aber auch im Leben der Geburtshelferinnen hat der Kampf ums Erdenlicht Spuren hinterlassen: Um Prämien zu sparen, meldet sich immer eine der Frauen zeitweilig von der Versicherung ab. Für die verbleibenden Vier heißt das: "Durchschaffen", sagt Haupenthal. Einige seien Mütter kleiner Kinder - "aber Teilzeit arbeiten geht nicht mehr".

Andere haben aufgegeben

Wird das Geburtshaus auf lange Sicht schließen müssen? Haupenthal atmet durch, bevor sie antwortet. Solche Gedanken, sagt sie dann, haben sie und die anderen schon gehabt. Zumal viele andere aufgegeben haben: "In Nürnberg wurden alle Geburtshäuser geschlossen."

Aber: "Wir finden es wichtig, dass es ein solches Angebot gibt." 60 Frauen kommen jedes Jahr zur Geburt in die Bahnhofstraße, 30 entbinden mit Hilfe der Geburtshaushebammen daheim. Im Erdenlicht soll daher das Licht nicht ausgehen - auch aus einem weiteren Grund: "Wir fünf sind ja die Ernährerinnen unserer eigenen Familien", erklärt Haupenthal.

Weniger als 1200 Euro stehen einer freiberuflichen Hebamme im Monat zur Verfügung, rechnet der Deutsche Hebammenverband vor. War der Beruf je so schwierig wie heute? "Nein", sind sich Haupenthal und ihre Kollegin Brigitte Ewender einig: "Und ein Ende ist ja nicht absehbar." Nächstes Jahr würden die Versicherungsprämien wieder neu festgesetzt. Und die Verhandlungen über mehr Geld von den Krankenkassen seien geplatzt - lediglich für Geburten bekämen die Hebammen nun 100 Euro mehr. 25 Jahre wird die Hebammenpraxis Erdenlicht heuer alt, sie war 1986 von Ingeborg Stadelmann als eine der ersten in Deutschland gegründet worden. Im Dezember wollen die fünf Geburtshelferinnen feiern. Trotzdem.

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