Marktoberdorf
Im Einsatz gegen Kinderlähmung und impfmüde Menschen

Während in der Öffentlichkeit die Notwendigkeit einer Impfung gegen die Schweinegrippe noch kontrovers diskutiert wird und zugleich die Zahl der Erkrankungen sprunghaft zunimmt, lenkte der Informationstag «Impfaufklärung -der Verunsicherung begegnen» im Modeon die Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit von Impfungen für die persönliche Gesundheitsvorsorge und die Unterbrechung von Ansteckungswegen in der Bevölkerung.

Der immer noch andauernde Kampf um die Ausrottung der Kinderlähmung (Polio) zog sich wie ein roter Faden durch den Tag: Waltraud Joa, selbst Betroffene und damit eine von 60000 Menschen in Deutschland, die mit den Spätfolgen der Krankheit leben, konnte Professor Dr. Ulrich Sprandel, den Distriktbeauftragten von Rotary für Polio Plus, als Referenten ansagen.

«Kehrt Polio zurück?» war sein Thema und er zeigte auf, wie seit Einführung der Schluckimpfung die Krankheit zurückgedrängt werden konnte und welche Anstrengungen auch von Rotary noch unternommen werden, um sie vollständig auszurotten (Infokasten). Dabei vergaß er nicht, auf die schweren menschlichen Schicksale hinter jeder einzelnen Erkrankung hinzuweisen.

Keine Impfung gegen AIDS

«Warum impfen?» nannte der Marktoberdorfer Kinderarzt Dr. Karl Renner sein Referat. «Wir verfügen heute über gute und gut verträgliche Impfstoffe», stellte er klar, klagte aber über die zunehmende Impfmüdigkeit der Bevölkerung. Bei uns kennen heute viele Menschen die Auswirkungen der schweren Infektionskrankheiten nicht mehr, vermutete er als Ursache. Gängige Argumente von Impfgegnern - dass Impfungen ADHS verursachen oder dass Mehrfachimpfungen das Immunsystem überfordern - bezeichnete er als haltlos, zumindest aber als Halbwahrheiten.

Zum Thema Reiseimpfungen informierte Dr.

Georg Lederle aus Marktoberdorf: Von Durchfall bis zum Gelbfieber, von FSME bis zur Malaria zählte er die Krankheiten auf, gegen die sich der Reisende - je nach Reiseziel - impfen lassen kann oder muss, denn manche Länder gestatten eine Einreise nur mit Impfung. Lederle warnte davor, dass man nicht gegen alles impfen könne: Gegen AIDS und Hepatitis C gibt es noch keinen Impfstoff.

Josef Bauer, Direktor der AOK Ostallgäu, brachte Licht ins Dunkel der Impfkosten: Von den 10,5 Milliarden Euro Ausgaben der AOK Bayern im Jahr 2008 seien 1,7 Milliarden Euro Kosten für Arzneimittel gewesen. Davon wurden rund 200 Millionen Euro für Impfungen ausgegeben. Die Impfkosten übernehme die Kasse, wenn sie dazu gesetzlich verpflichtet sei. Das sei etwa bei Reiseimpfungen nicht der Fall: Dafür müssen Versicherte selbst aufkommen.

In der Diskussion spielte anschließend die grassierende Schweinegrippe die Hauptrolle. Organisiert hatten die Veranstaltung Waltraud Joa als stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Landesverbandes Polio e.V. und der Rotary Club Marktoberdorf. Sie stand unter der Schirmherrschaft von Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. Die wenigen Zuhörer, überwiegend Fachpublikum, Vertreter der Politik und Poliobetroffene, erlebten einen hochaktuellen Infotag.

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