Marktoberdorf / Jengen
«Ich will optimieren - nicht kritisieren»

Es sind erstaunliche Sätze, die Thomas Wieser sagt - vor allem für einen Blasmusik-Dirigenten. «Ich arbeite nicht an Stücken, sondern am Klang» ist solch ein Satz. Oder: «Ich bin Soziologe, Psychologe, Pädagoge - und dann erst Dirigent.» Und: «Ich habe in meinem Leben noch nicht gearbeitet. Ich darf Musik machen.»

Der 34-Jährige, der aus Mittelschwaben stammt und derzeit in München lebt, hat sich in den letzten sechs Jahren zum herausragenden Dirigenten in der Allgäuer Blasmusik-Szene entwickelt. Seine Name ist vor allem mit dem 80-köpfigen Jugendblasorchester (JBO) Marktoberdorf verknüpft, das nicht nur bei Wertungsspielen in der Höchststufe glänzt, sondern im vergangenen Jahr beim «World Music Contest» im holländischen Kerkrade als bestes Jugendblasorchester gewertet wurde. Seine Heimatkapelle Breitenthal (bei Krumbach) führte er von der unteren Mittelstufe in die Höchststufe. Seit 2008 leitet er den Musikverein Jengen (Ostallgäu), eine Mittelstufen-Kapelle, und erreichte auf Anhieb bei zwei Wertungsspielen 95 von 100 Punkten. Und nun ließ er sich von der Höchststufen-Kapelle Stöttwang (bei Kaufbeuren) engagieren. «Die wollen noch besser werden», sagt Thomas Wieser.

Hat er ein Erfolgsrezept? Wer ihm diese Frage stellt, erntet erst einen intensiven Blick mit weit aufgerissenen Augen, wie so oft, wenn er über sich und seine Arbeit - pardon: Musik spricht. Dann antwortet er: «Optimieren statt Kritisieren.» Das ist Wiesers Lehrsatz Nummer 1. Gleich folgt Nummer 2: «Ich lehre meine Musiker, nicht nur zu hören, sondern zuzuhören.»

Selbstbewusst und leutselig

Womit Wieser beim Thema wäre, das ihn am meisten umtreibt: Klang und Intonation. Einen nicht kleinen Teil der Proben versucht er, eine möglichst reine Stimmung herzustellen. Dazu hat er alle Instrumente der Blaskapelle ausführlich studiert. «Ich kenne die gesunden und kranken Töne», sagt er. «Damit kann ich jedem Musiker helfen.»

Wieser sei ein Dirigent, der sich nicht über die Musiker stelle, sondern als Teil der Kapelle verstehe, lobt Hans Heinle, der Vorsitzende des JBO Marktoberdorf. Einer, der nach den Proben mit seinen Leuten zusammensitzt, redet, trinkt. Der Mann mit Jeans, Turnschuhen und gegeltem Haar spricht die Sprache seiner Musiker. Er ist selbstbewusst und doch leutselig, höchst anspruchsvoll, aber nicht abgehoben, fordert Disziplin und fördert Spaß. «Ohne sozialen Zusammenhalt ist Erfolg nicht möglich», sagt Wieser.

Vielleicht hat ihm das auch geholfen, trotz des schwelenden Streits des JBO mit der Stadtkapelle Marktoberdorf (wir berichteten), seine jungen Musiker zu motivieren und selbst die Lust nicht zu verlieren. Ein «Jetzt-erst-recht-Gefühl» habe er entwickelt.

Inzwischen gibt Wieser seine Ideen und sein Wissen auch in den Seminaren seiner «Klang-Werkstatt» weiter. Im In- und im Ausland ist er zum gefragten Dirigenten und Dozenten geworden. Nur der heimische Allgäu-Schwäbische Musikbund greife auf seine Erfahrung nicht zurück. Wieser: «Im eigenen Land gilt der Prophet scheinbar nichts.»

Wieser dirigiert am Samstag, 8. Mai (20 Uhr), das Frühjahrskonzert des JBO Marktoberdorf im Modeon (mit Breitental). Auf dem Programm stehen sinfonische Blasmusik und Filmmusik.

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