Allgäu
«Ich war schon wer in Memmingen»

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Vor 150 Jahren wurde der TV Memmingen gegründet. Der Verein beging und begeht dies 2009 mit zahlreichen Veranstaltungen. Die Sportredaktion der Memminger Zeitung wird dieses Jubiläum in Form einer Serie begleiten. Heute erscheint Teil 2.

Memmingen Mit zehn Jahren geht sie ins Kinderturnen und gewinnt bald darauf ihren ersten Wettbewerb. Mit 18 wird sie, wie sie sagt, «vollgültiges Mitglied» im Verein, mit 75 lernt sie, wie man richtig Tennis spielt. Heute ist Else Gniewosz 94 Jahre alt und immer noch aktiv. «Jeden Morgen mache ich Gymnastik, damit die Starre aus den Gliedern verschwindet.»

Schon als Kind ist die kleine Frau mit ihren vier Schwestern immer nur «grennt und gsprunga», wie sie erzählt. Der Gehsteig - «damals sagte man noch Trottoir» - ist ihre Rennbahn, der Bauernhof in der Nachbarschaft ihr Abenteuerspielplatz. Im Jahre 1925 hat die zehn Jahre junge Else ihren Vater endlich so weit, dass er Mitglied im TVM wird. Es ist der Beginn eines Lebens für den Sport.

Kaum im Verein, belegt sie beim «Anturnen», einem internen Wettbewerb des Klubs, den ersten Platz und erinnert sich genau: «Da war mir der Neid der Anderen sicher.» Ab diesem Zeitpunkt nimmt sie an allen Wettbewerben teil, egal ob im Turnen, im Schwimmen, im Tischtennis oder in der Leichtathletik. Fast überall ist sie unter den Besten, wie sie mit einem Karton voller «Eichenkränze» belegt. «Ja, ja - ich war schon wer in Memmingen», sagt Gniewosz und lacht. Unter anderem bekam sie einst den Titel «Memmingens beste Schwimmerin», war zwei Jahrzehnte mit dem Team schwäbische Tischtennis-Meisterin und sprintete «irgendwann nach dem Krieg» die 50 Meter in 7,6 Sekunden. Gefreut hat sie sich über die Eichenkränze übrigens nie - «nein, gehasst, hab ich diese Teile, da sah man immer so unvorteilhaft aus.

» Gniewosz hat seinerzeit aber nicht nur an der Bewegung einen «riesigen Spaß», sondern engagiert sich im Verein. «Aber alles ohne Bezahlung - da war der TVM schon ein bisschen knickrig». Gerne erinnert sie sich an die Faschingsbälle - etwa als rassige Bauchtänzerin -, ihre Arbeit als Übungsleiterin, ob als Gymnastiklehrerin oder als Choreographin für die Fischertagstänze. Gniewosz kritisch: «Bei mir haben die gespurt, mittlerweile wurden die Tänze verhunzt. Natürlich ändern sich die Zeiten, aber was heute fehlt, sind die Disziplin und Präzision im Sport - das war früher anders.»

Privat steckt sie Rückschläge weg, ihr erster Mann fällt im Zweiten Weltkrieg. Während des Krieges bekommt sie zwei Kinder. Dennoch, so sagt sie, «sehe ich auf ein gutes Leben zurück». Auch damals sei es ihr nicht schlecht gegangen - «finanziell war ich gut versorgt». «Der Sport hat mich stark gemacht», sagt Gniewosz, die sich nach dem Krieg übrigens wieder in einen Soldaten verliebt hat, mit dem sie zusammengelebt hat, bis er vor einigen Jahren gestorben ist. «Meine Träume habe ich alle gelebt, sagt Else Gniewosz und erhofft sich vom Leben nur noch eines: «Ich will gsund bleiben.»

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