Ich liebe meine Kinder über alles

Von silviA Reich-Recla
| Haldenwang/Börwang Bundespräsident Horst Köhler hat die Ehrenpatenschaft für Tim Lange übernommen und Haldenwangs Bürgermeister Anton Klotz überbringt die freudige Nachricht. Den Kleinen scheint das nicht weiter zu beeindrucken. Auf dem Arm seiner Mutter Olga maunzt er, schreit zwischendrin auf. 'Er hat Fieber', entschuldigt sich die 32-jährige, siebenfache Mutter. Auf einem großen blauen Ball sitzend, im Wohnzimmer ihrer Doppelhaushälfte in Börwang, versucht sie das Baby zu beruhigen und sanft in den Schlaf zu wippen. Doch zu viel Trubel ist im 170-Quadratmeter-Haus.

Die sechs Geschwister des kleinen Tim scheinen ganz gespannt zu sein, was der Rathauschef zu sagen hat: Seitens der Kommunen müsse 'mehr für ein kinderfreundliches Klima' getan werden, betont Klotz und wendet sich dem Ehepaar zu: 'Ich hoffe, Sie finden in unserer Gemeinde viel Unterstützung.'

Doppelhaushälfte gekauft

'Das ist hier von den Nachbarn her super', hebt seinerseits Waldemar Lange hervor. Seit bald 20 Jahren ist das aus Kasachstan stammende Ehepaar in Deutschland. Waldemars Großvater stammte aus Mindelheim, die Familiensprache war Deutsch. 'Ich musste Russisch erst in der Schule lernen,' sagt der 33-jährige Mitarbeiter des Kemptener Stadtbauhofs in breitem Allgäuer Dialekt. Umso trauriger stimmt es ihn, wenn seine Kinder mit 'Scheiß Russe' beschimpft werden, er selbst mit Russischstämmigen, die Schlägereien anzetteln, in einen Topf gesteckt wird. 'Es gibt immer solche und solche in einem Land', zuckt er die Schultern und sagt: 'Ich kann die Vorurteile manchmal nicht mehr hören.'

Picobello sieht es in der schmucken Doppelhaushälfte aus, von außen wird derzeit die Fassade gedämmt. 'Da ist es gut, wenn man viele Geschwister hat, die einem helfen können', freut sich Olga Lange über den guten Familienzusammenhalt. Beide Ehepartner stammen aus kinderreichen Familien. Das sei auch der Grund, warum sie sich ebenfalls für viele Kinder entschieden haben. 'Einer kann dem anderen helfen, wir sind füreinander da.'

Dass es sich die Familie nicht leisten kann, gemeinsam in den Urlaub zu fahren oder in ein Restaurant zu gehen, das nehmen die Langes in Kauf, 'das ist nicht so wichtig'. Auch sei das siebensitzige Auto für die Familie zu klein. Der siebenfache Vater nimmt’s gelassen. 'Dann fahren wir eben nicht zu neunt.' Und vielleicht, so lässt er durchblicken, wächst die Familie ja weiter. 'Wenn wir gesund und fit sind, warum nicht', schmunzelt Waldemar Lange, der seine freie Zeit am liebsten mit Olga sowie seinen Buben und Mädchen verbringt.

Es gebe nämlich genügend zu Hause zu tun. Ohnehin kann er sich nichts Schöneres vorstellen, denn 'ich liebe meine Kinder über alles'.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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