Stammzellenspende
«Ich kann damit Leben retten»

Julia Grünwald kann ihre Aufregung kaum verbergen: Spritzen und Nadeln sind ihr ein Gräuel. Trotzdem krempelt sie tapfer den Ärmel hoch. Rettungsassistent Thorsten Popp versucht die 17-Jährige aufzuheitern: «Ich lass den Arm dran», beruhigt er.

Julia Grünwald ist eine von mehreren hundert Auszubildenden und Lehrern der Berufsschule Immenstadt, die gestern bei der Typisierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) teilgenommen haben. Ihr gemeinsames Anliegen: Sie wollen helfen, indem sie als potentielle Stammzellenspender dienen. Für Daniel Edlich zum Beispiel, der eine Ausbildung im Hotelfach macht und in voller Kochmontur erschienen ist, war es keine Frage, bei der Aktion mitzumachen. «Ich kann damit vielleicht Leben retten», sagt der 23-Jährige. Und die Blutabnahme empfindet er als «überhaupt nicht schlimm».

Schüler helfen bei Organisation

Eine besondere Aufgabe hatten einige Auszubildende für Bürokommunikation. Sie füllten die nötigen Formulare aus und klärten ab, ob ihre spendewilligen Mitschüler überhaupt geeignete Kandidaten sind. Kathrin Metzler von der DKMS erklärte ihnen genau, worauf zu achten ist: «Ihr Gegenüber sollte die Ausschlusskriterien gut durchlesen.» Denn schwere chronische Krankheiten wie die Zuckerkrankheit oder auch ein zu geringes oder zu hohes Körpergewicht machen eine Stammzellenspende unmöglich. Auch das Alter spielt eine Rolle: Der Spender darf nicht über 55 Jahre alt sein. Das bedeutete zum Beispiel für Schulleiter Dieter Friede, dass er nicht an der Typisierung teilnehmen konnte. Er wählte, wie einige seiner Kollegen, aber einen anderen Weg: Er spendete 50 Euro - das entspricht dem Betrag, den eine Typisierung kostet.

Dass er für die Aktion die Türen seiner Schule öffnet, ist für Friede eine Selbstverständlichkeit: «Es sind nach wie vor zu wenige potentielle Spender registriert», erklärt er. «Und an unserer Berufsschule gibt es viele, die in Frage kommen - vom Alter her, aber auch vom Engagement her.»

Organisiert hat die Aktion Berufsschullehrer und Schulsanitäter Jochen Berges. Etwa 80 Stunden Arbeit habe er in seiner Freizeit in die Organisation gesteckt, erzählt er. Berges freut sich sehr über das große Interesse der Schüler an der Typisierung. «Manche 16-Jährige haben mich sogar angesprochen und fanden es schade, dass sie noch nicht mitmachen dürfen», sagt er. In drei Jahren will er die Aktion an der Berufsschule wiederholen. Dann werden neue Auszubildende da sein, die vielleicht wieder so bereitwillig und begeistert mitmachen, wenn es darum geht, Leben retten zu können.

Prozedur gut überstanden

Auch Julia Grünwald hat die Prozedur schließlich überstanden: Weil sie so aufgeregt war, war es für Thorsten Popp zwar nicht leicht, eine Vene zu erwischen. Aber nach mehrmaligem Pieksen in beide Arme hat es dann doch noch geklappt. Und Julia weiß, es hat sich gelohnt: «Ich möchte schließlich anderen Menschen helfen», sagt sie.

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