Lindau
«Ich habs krachen lassen»

Das Amtsgericht Lindau hat einen 26-jährigen Lindenberger zu neun Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt, weil er mit seiner EC-Karte eingekauft hat, obwohl das Konto leer war. Er war kurz zuvor aus dem Knast gekommen und hatte «es krachen lassen».

Nach seiner Entlassung stellte der damals 24-Jährige fest, dass er mit seiner EC-Karte noch einkaufen kann. Wider Erwarten, denn das Konto war seit Monaten leer und so konnte er davon ausgehen, dass die EC-Karte zu diesem Zeitpunkt ein wertloses Stück Plastik war. Aber man kann es ja mal probieren, dachte er, und versuchte in einem Lebensmittelmarkt in Lindenberg, einen Einkauf über 20,83 Euro mit der Karte zu bezahlen. Und es klappte. Daraufhin kaufte er munter ein: 27 Einkäufe allein in diesem Supermarkt und laut Kontoauszugsordner kamen noch eine ganze Reihe bei anderen Läden in der näheren Umgebung dazu. Erst dann wurde die Karte endgültig gesperrt. «Ich habs krachen lassen, Party gemacht», sagte er im Nachhinein zu seinem Verhalten. Fakt ist, dass der Supermarkt die Einkäufe in Höhe von insgesamt 1016,99 Euro per Lastschriftverfahren abrechnet.

Unterm Strich handelte es sich also um Betrug in 27 Fällen.

Spätes Geständnis

Anfangs bestritt der junge Mann die Taten. Er habe die Einkäufe nicht selbst gemacht. Vielmehr habe er die Karte verloren und wisse nicht, wer sein Unwesen damit getrieben habe. Er jedenfalls nicht. Das war zwar denkbar, aber nicht allzu wahrscheinlich. Weshalb Ursula Richter ihm und seinem Verteidiger noch einmal nachhaltig ins Gewissen redete. Wenn er es denn gewesen sei, sei ein Geständnis ratsam. Denn das Gericht könne auch anders. Die Verkäufer als Zeugen laden, ein Schriftgutachten für die Unterschriften.

Das alles treibt erstens die Prozesskosten in die Höhe, zweitens - wenn er es denn war - die Strafe, denn ein Geständnis macht sich immer deutlich strafmildernd bemerkbar.

Es folgte eine Sitzungsunterbrechung, ein ernstes Gespräch zwischen Verteidiger und Angeklagtem auf dem Gerichtsflur, zu dem dann auch noch die im Sitzungssaal anwesende Freundin hinzugerufen wurde. Und schließlich die Rückkehr in den Gerichtssaal mit hängenden Schultern und den erlösenden Worte: «Dann gesteh ich das alles!»

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