Altusried
«Ich bin ein Kluftinger-Fan»

Dieter Thomas Kuhn hat den alten deutschen Schlager zu neuem Leben erweckt. Die «singende Föhnwelle», wie er gerne genannt wird, hat damit immer noch Erfolg. Seine Tournee «Schalala» führt ihn am 5. September auf die Freilichtbühne in Altusried. Im Gespräch mit unserer Zeitung redete Kuhn nicht nur über seine Erfolgsgeschichte und ihre Schattenseiten, sondern outete sich auch als Fan des Allgäus und der Kluftinger-Krimis.

Herr Kuhn, Ihre Erfolgsserie scheint nicht abzureißen, jetzt sind Sie schon wieder auf Tournee. Wollen die Leute immer noch Schlager hören?

Kuhn: Ja, und das ist unglaublich. Das versteht keiner. Die Medien fragen: Warum ist er immer noch da?

Und warum?

Kuhn: Ich weiß es auch nicht. Vielleicht hängt es von meinem unbedingten Willen ab: Ich möchte da sein. Andererseits würde ich auch verstehen, wenn die Leute mich nicht mehr hören wollen und die Sache zu Ende wäre.

Was würden Sie dann tun?

Kuhn: Das hab ich mir noch gar nicht überlegt. Vielleicht Taxi fahren.

Das ist doch nicht Ihr Ernst?

Kuhn: Doch. Ich habe keine andere Perspektive. Oder ich ziehe ins Allgäu.

Jetzt scherzen Sie wieder.

Kuhn: Nein, das meine ich ernst. Es ist eine der wunderbarsten Gegenden Deutschlands. Früher war ich schon mit dem Motorrad dort. Und jetzt habe ich mit meiner Frau und unserer Tochter fünf Tage Urlaub auf dem Bauernhof gemacht - in Lachen bei Nesselwang.

Ich habe gelesen, Sie selbst sehen sich gar nicht als Schlagersänger, sondern als Rocksänger. Stimmt das?

Kuhn: Ich bin vom Rock zum Schlager gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Und das Touren ist so wie bei Rockmusikern auch. Endlich bin ich so viel auf Tournee, wie ich es mir immer gewünscht habe.

Werden Sie der Schlager nicht irgendwann überdrüssig?

Kuhn: Ja, manchmal schon - genauso wie wahrscheinlich Mick Jagger von den Rolling Stones manchmal seiner Sache überdrüssig ist. Ich halte mich an einen Spruch von Harvey Keitel: Ich nehme das Leben, wie es kommt - nicht wie ich es mir wünsche.

Sie tauften Ihre aktuelle Tour Schalala. Wie kamen Sie drauf?

Kuhn: Wie haben lange nachgedacht. Dann fiel uns Howard Carpendale ein, der irgendwo «Schalala» singt. Das klingt doch nach Musik, oder?

In Altusried singen Sie unter freiem Himmel. Was mögen Sie lieber: solche Open-Air-Konzerte oder Hallen-Auftritte?

Kuhn: Wir haben draußen wie drinnen unseren Spaß. In Altusried muss ja eine schöne Bühne sein, wenn man den Beschreibungen im Kluftinger-Krimi Glauben schenkt.

Sie lesen Kluftinger?

Kuhn: Ja, ich bin ein Kluftinger-Fan. Ich hab alle Bände gelesen. Das gefällt mir gut.

Wenn man Ihre Homepage anschaut, dann hat man das Gefühl, Sie nehmen alles nicht so ernst, sondern treiben lustige Spiele mit viel Ironie. Warum eigentlich?

Kuhn: Weil sich das nicht anders gehört. Unser Motto lautet: Sich selbst nicht so ernst nehmen. Ich trage viel Selbstironie in mir - sonst könnte ich das alles gar nicht machen.

Tun sich Ihre Fans mit dieser Ironie nicht recht schwer?

Kuhn: Ich nehme die Sache genauso ernst, wie sie auch die Fans ernst nehmen. Aber man darf das Ganze nicht überbewerten. Klar, Claudia-Jung-Hörer oder ältere Carpendale-Fans kommen nicht zu unseren Konzerten. Einer, der früher Carpendale-Fan war, sagte mir mal: «Kuhn, bei dir ist es besser!»

Nervt es Sie, wenn man Sie die «singende Föhnwelle» nennt?

Kuhn: (lacht) Überhaupt nicht. Früher war das ein Stück weit Verunglimpfung. Jetzt ist es ein Markenzeichen, mit dem ich sehr gut leben kann.

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