Memmingerberg
Husten, Mundschutz und die Gefahr im Taxi

Die Maschine aus Spanien landet. Niemand weiß, ob die Schweinegrippe an Bord ist. Taxifahrer Ahmet Özkaya aus Aitrach wartet mit einem mulmigen Gefühl auf Fahrgäste. Im Auto hat er keine Möglichkeit auf Abstand zu gehen, wenn jemand hustet. Und beim Bezahlen läuft er täglich Gefahr, dass etwaige Erreger auf ihn übergehen. «Wir Taxifahrer reden oft über das Thema Schweinegrippe. Angst haben wir nicht, aber unwohl ist uns schon», sagt der 38-Jährige. Dann kommen zwei junge Männer mit Mundschutz aus dem Flughafengebäude in Memmingerberg.

Die Schweinegrippe ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Bundesweit sind inzwischen mehrere Tausend Menschen infiziert - nur ein Bruchteil davon hat sich in Deutschland angesteckt. Nach Angaben von Experten wird die Grippe vor allem aus Spanien eingeschleppt. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit rät, sich von niesenden Menschen fernzuhalten, sich regelmäßig die Hände zu waschen und auf Händeschütteln zu verzichten.

Die zwei jungen Männer mit den weißen Masken vor dem Mund kommen aus Lloret de Mar, einem Partyort an der spanischen Costa Brava. Zahlreiche Urlauber drehen sich nach ihnen um. «Ich habe noch eine Weile Urlaub und will nicht mit Schweinegrippe im Bett liegen», sagt Stefan Kraffczyk, die Sonnenbrille lässig in die gegelten Haare gesteckt. Aber ganz ernst meinen es die beiden 22-Jährigen mit ihrem Mundschutz nicht.

«Wir haben uns schon auch einen Spaß daraus gemacht, und wollten sehen, wie die Leute schauen.»

Außer ihnen trägt am Allgäu Airport niemand einen Mundschutz. Viele Heimkehrer werden mit Umarmung und Küsschen begrüßt. «In Spanien ist niemand panisch wegen der Schweinegrippe. Ich bin froh, dass ich gefahren bin», sagt Helga Insam. «Aber ein bisschen habe ich mich von der Hysterie in den deutschen Medien anstecken lassen: Ich habe im Flugzeug darauf geachtet, ob jemand hustet.»

Sobald wieder größer über die Schweinegrippe berichtet wird, rufen beunruhigte Menschen an, sagt Petra Schöniger von der Flughafen-Information. Sie gibt dann Entwarnung: Bislang ist die Krankheit am Allgäu Airport nicht aufgetreten.

Die meisten Passagiere machen sich offenbar keine Sorgen. Sie achten aufs Händewaschen, sagen viele. Aber kaum einer ist beunruhigt, dass er die Schweinegrippe im Gepäck hat oder sich im Urlaub ansteckt. Und wenn, sei der Krankheitsverlauf schließlich in den meisten Fällen harmlos. Die Plakate, die am Eingang in Spanisch, Deutsch und Englisch über die Grippe informieren, liest so gut wie niemand und eine erkältete Urlauberin sagt gelassen: «Der Husten kommt sicher nur von der Klimaanlage.»

Eva Hartmann dagegen hat Angst. Die zierliche blonde Frau steigt gleich in den Flieger nach Alicante. Sie hat überlegt, ob sie die Reise abbläst. «Aber man hat gezahlt und sich gefreut», sagt die 27-jährige Krumbacherin und fügt hinzu: «Und ich habe ja einen Arzt an meiner Seite.

» Ihr Freund, der Mediziner Max Sedlmeier, nimmt es locker. «Wir haben beide ein gutes Immunsystem. Da sollten uns Erreger nichts anhaben können.»

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