Volkszählung
Hunderte Jobs bei der Volkszählung als Interviewer zu vergeben

«In dieser Zeit befahl der Kaiser Augustus, dass alle Bewohner des römischen Reiches namentlich in Listen erfasst werden sollten.» So beginnt im Lukas-Evangelium die Weihnachtsgeschichte. Auch Maria und Josef machten sich laut Bibel seinerzeit auf den Weg, um sich registrieren zu lassen. Heute geht Volkszählung - genauer gesagt «Zensus 2011» - anders: Der Zähler kommt ins Haus, und nennt sich «Erhebungsbeauftragter».

Auch muss nicht mehr ein jeder die Fragen beantworten, sondern nur noch rund zehn Prozent aller Haushalte werden stichprobenartig ausgesucht und erfasst. Nach der Befragung in Privathaushalten und Gemeinschaftsunterkünften von Mai bis Juli findet von Oktober 2011 bis April 2012 eine weitere Gebäude- und Wohnungszählung statt.

Zuständig für die Organisation des europaweit durchgeführten «Zensus 2011» sind die kreisfreien Städte und die Landratsämter. Und genau die müssen sich als so genannte Erhebungsstellen auch darum kümmern, Interviewer zu finden. Dieser Job ist zwar eigentlich ein Ehrenamt, pro ausgefülltem Fragebogen wird aber eine steuerfreie Aufwandsentschädigung in Höhe von sieben Euro gezahlt. So kommen beispielsweise bei einem vierköpfigen Haushalt 28 Euro zusammen.

Jeder Interviewer werde «ausführlich geschult» und könne sich die Arbeit flexibel einteilen, heißt es in einem Merkblatt des Statistischen Landesamtes. «Für den ein oder anderen ist das sicherlich interessant», meint Susanne Kettemer vom Ostallgäuer Landratsamt. Allein diese Behörde benötigt rund 200 «Erbhebungsbeauftragte». Die gezahlte Entschädigung werde beispielsweise weder auf Elterngeld oder Hartz-IV-Zahlungen noch auf Studenten-BAföG angerechnet. Doch das Interesse hält sich in Grenzen: Im Oberallgäu etwa werden 180 Helfer benötigt, aber erst 80 wurden bisher gefunden.

Begründet wird die jetzige Volkszählung beispielsweise damit, dass der Staat Basisdaten für den Bau neuer Schulen, Kindergärten oder Seniorenheime benötige. Auch habe das Ergebnis des Zensus Einfluss auf EU-Fördermittel oder die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments. Wer in einem stichprobenartig ausgewählten Haushalt wohnt, ist zur Beantwortung des Fragebogens verpflichtet. Ansonsten droht eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro.

Die letzte Volkszählung in Westdeutschland fand 1987 statt. Bundesweit waren 500000 Interviewer im Einsatz. Damals war es bereits Jahre zuvor zu massiven Protesten gegen die Erhebung gekommen. Boykott-Gruppierungen und Bürgerinitiativen riefen zum Widerstand auf. Eine geplante Zählung hatte das Bundesverfassungsgericht 1983 zunächst ausgesetzt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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