Memmingen
Hunde als «Hilfslehrer»

Die Hunde Leni und Tino schleichen durchs Klassenzimmer. Immer wieder schnuppern sie an Schulranzen und schmiegen sich an die Jugendlichen. Den Siebtklässlern der Memminger Bismarckschule gefällts. Sie kraulen und streicheln die tierischen «Hilfslehrer».

Seit einigen Wochen macht Referendarin Rebekka Picardi Schulunterricht mit Hunden. «Ich schreibe darüber meine Zulassungsarbeit zum Zweiten Staatsexamen», erzählt sie. Einmal in der Woche bringt die Lehrerin ihre Hunde mit in die Hauptschule. «Die Tiere haben einen sehr positiven Einfluss auf die Kinder», so Picardi weiter. «Sie gehen liebevoller miteinander um und verhalten sich ruhiger.» In Deutschland werden Hunde bereits an etwa 100 Schulen eingesetzt.

Links streicheln, rechts schreiben

Während die Lehrerin in der Deutschstunde über Groß- und Kleinschreibung spricht, lässt sich der dunkle Rottweiler Tino von Laura verwöhnen. Die Zwölfjährige schmunzelt: «Wir freuen uns immer, wenn die Hunde kommen.» Abgelenkt werden die Schüler nicht. «Ich kann den Hund mit der linken Hand streicheln und mit der Rechten mitschreiben», sagt Sina mit leuchtenden Augen.

Die Abwechslung im Unterricht findet sie toll. «Unterricht mit Hunden macht einfach Spaß.» Angst vor den Vierbeinern habe niemand, erzählt Picardi. Auch die Schulleitung und die Eltern nicht. Die mussten dem neuen tierischen Unterricht vorab nämlich zustimmen und die Lehrerin über mögliche Tierhaarallergien informieren. Zu Beginn des Experiments in der Schule wurde ausführlich über den Umgang mit Hunden gesprochen und Regeln aufgestellt. So darf man den Hund beispielsweise nicht beim Essen stören, am Schwanz packen oder direkt in die Augen schauen, weiß Matthias. «Das funktioniert sehr gut», sagt die Klassenlehrerin. «In den Hunden haben die Schüler jemand gefunden, der sich um sie kümmert.

» Und das sei bei manchen Kindern zu Hause vielleicht nicht immer der Fall. «Sie erzählen den Tieren ihre Erlebnisse vom Wochenende, gehen mit den Hunden in der Pause raus, striegeln das Fell und füllen den Wassernapf.» Die Dienste seien in der Klasse genau festgelegt.

Eigentlich sollten die Hunde bis Weihnachten mit in die Schule kommen. «Doch ich denke, wir verlängern das Experiment», sagt Picardi. Denn schon jetzt möchten die Schüler, dass die Hunde mehrmals in der Woche am Unterricht teilnehmen.

Streitschlichter und Ruhepol

«Die Tiere verbessern das Lernklima», betont die Klassenlehrerin. «Denn die Hunde sehen mehr als Lehrer und reagieren auf den Seelenzustand eines Menschen.» Sie fungieren als Streitschlichter und als Bezugsperson. «Daher würde ich mir wünschen», so Picardi, «dass die Hunde öfter eingesetzt werden, denn Kinder brauchen einen Ruhepol und einen Ansprechpartner.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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