Hosen sind für die Hexe tabu

Von Stefan Götz | Röthenbach Wer die Aufgabe hat, eine Funkenhexe zu basteln, darf am Funkensonntag auch mal traurig sein: Denn dann wird die mühsame Arbeit innerhalb kürzester Zeit vernichtet. 'Wenn die Flammen hochzüngeln und die Hexe erreichen, ist sie in fünf Minuten abgebrannt', sagt Tobias Immler von der Katholischen Landjugend Röthenbach.

Bis es so weit kommen kann, muss die Funkenhexe aber erst mal hergestellt werden. 'Beim ersten Mal musste ich schon überlegen, wie ich es am besten mache', erzählt Immler, der in diesem Jahr schon seine dritte Funkenhexe gebaut hat. 'Man bekommt schnell Routine', weiß der Vorsitzende, der bei der Gestaltung wesentlich auf die Kleiderspenden angewiesen ist. 'Im letzten Jahr waren Handschuhe dabei, deshalb hat die Hexe Finger bekommen.' Heuer befand sich ein BH unter den Sachen und so glänzt die Puppe durch besonders feminine Rundungen.

Weiblichkeit ist auch eine der Voraussetzungen für eine gelungene Funkenhexe. 'Sie muss Kopftuch, Schürze und einen Besen tragen. Eben alles, was man mit einer Hexe verbindet', erklärt Immler. Verboten ist alles, was nicht zum Bild einer Hexe passt. 'Eine Hose ist beispielsweise ausgeschlossen. Es muss ein Rock sein.'

Zur Grundausstattung jeder Funkenhexe gehört die Strumpfhose. 'Alles wird mit Heu ausgestopft. So erhält man den Rumpf', erläutert Immler weiter. Später entstehen Kopf und Haare, die meist aus Flachs oder Bast bestehen. Zuletzt wird die Puppe komplett eingekleidet. 'Wichtig ist, dass alles brennbar ist. Teilweise wird die Hexe sogar mit Magnesiumspänen gefüllt. Bei uns werden Feuerwerkskörper, die von Silvester übrig sind, eingearbeitet, damit es besonders funkt.'

Der Knalleffekt wird mit einer ein Meter langen Lunte ausgelöst, bevor die Hexe von den Flammen verschlungen wird. Bei der Herstellung der Funkenhexe ausgeschlossen ist Plastik. 'Denn die Asche wird hinterher vom Umweltamt auf Schadstoffe untersucht.'

Den Weg auf den Funken, für den in Röthenbach heute das Material gesammelt wird, findet die Hexe am morgigen Sonntag. Um 19 Uhr wird das Ende der menschengroßen Funkenhexe besiegelt. Dann wird die Musikkapelle spielen, die Hexe ihr Ende in den Flammen finden - und bei ihrem Schöpfer wird vielleicht die eine oder andere Träne kullern.

Bevor ein Funkenfeuer den Winter vertreiben kann, muss es erst ichtig brennen. Die Funkenbauer sind Experten im Feuermachen. Wie das funktioniert sehen Sie in einer vertonten Bilderschau unter:

www.all-in.de/funken

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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