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Hohe Kfz-Versicherungs-Beiträge: Allgäuer Senioren sprechen von Abzocke

Senioren zahlen wegen ihres Alters häufig höhere Kfz-Versicherungsbeiträge. Die Versicherer begründen die Mehrkosten mit Unfallrisiken. Betroffene aus der Region haben jedoch große Zweifel.

Sind alte Menschen am Steuer eine größere Gefahr im Straßenverkehr als jüngere Autofahrer? Diese Frage ist seit den aktuellen Forderungen nach verbindlichen Fahrtests für Senioren in aller Munde. Für Kfz-Versicherungen steht die Antwort bereits fest: Sie stufen ältere Verkehrsteilnehmer als Risikogruppe ein und verlangen von ihnen oftmals höhere Beiträge als von Fahrern mittleren Alters. Doch das finden Betroffene aus der Region ungerecht und diskriminierend. 'Das ist reine Abzocke', schimpft etwa Hermann Ernst aus Kempten.

Von seiner Versicherung hat der 65-Jährige eine Kostenanpassung erhalten. Demnach muss er ab 2016 62 Euro mehr pro Jahr für seine Kfz-Versicherung berappen - das sind knapp 15 Prozent mehr als bisher. 'Unter anderem wegen meines Alters. Allerdings stand das nur im Kleingedruckten. Explizit hat mich niemand darauf hingewiesen', beklagt er. Und Ernst hat noch einen weiteren Kritikpunkt: Denn wie viel von den 62 Euro tatsächlich wegen seines Alters anfallen, wisse er nicht. 'Das geht aus dem Schreiben nicht hervor.' Dort seien nämlich noch weitere Punkte für die Mehrkosten angegeben - etwa eine höhere Regionalklasseneinstufung.

'Nicht nachvollziehbar'

Nach Auffassung des Kempteners gibt es noch ein weiteres Problem: So würden viele Versicherte gar nicht wissen, dass sie als Senioren mehr bezahlen müssen. 'Das ist auch nicht bei allen Versicherungen gleich. Bei manchen gilt das erst ab 70', sagt er. Ähnliche Erfahrungen hat auch Josef Niederleitner, Regionalsprecher der Landesseniorenvertretung Bayern, gemacht: 'Die Versicherungsbeiträge werden ständig angepasst. Das wird häufig nicht näher hinterfragt. Für Viele ist nicht nachvollziehbar, warum sie mehr bezahlen', sagt der 71-Jährige.

Dabei müssen Senioren laut einer Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft bereits seit mehreren Jahren tiefer in die Tasche greifen: 'Aus unseren Statistiken geht hervor, dass ältere Fahrer im Schnitt mehr Unfälle verursachen, als Fahrer mittleren Alters.' Durchschnittlich würden daher ab 68 Jahren höhere Beiträge fällig. Doch das sei immer eine individuelle Entscheidung und hänge von weiteren Faktoren wie der Typklasse des Autos oder der Anzahl an unfallfrei gefahrenen Jahren des Versicherten ab.

Hermann Ernst hält diese Begründungen für fadenscheinig: 'Nicht jeder ist automatisch ein schlechterer Fahrer, nur weil er ein gewisses Alter erreicht hat.' Dieser Meinung ist auch Christian Unger, Vorsitzender des Allgäuer Regionalverbands der Fahrlehrer: 'Man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt Autofahrer, die fahren noch mit 80 Jahren wie eine Eins. Andere haben schon mit 60 Defizite.' Und auch Josef Niederleitner ist überzeugt: 'Senioren verursachen nicht mehr Unfälle.'

Zu diesem Ergebnis kommt auch die Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Demnach sind im Allgäu Senioren im Vergleich zu anderen Altersgruppen nicht häufiger an Unfällen schuld. 'Zumindest nicht an schwerwiegenden Verstößen', sagt Polizeisprecher Hans Willbold. Denn nach seinen Worten tauchen nur diese in der Statistik auf, kleinere Pannen dagegen nicht.

Autor:

Andreas Schnurrenberger aus Kempten

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