Börwang
Höllenritt im Sattel: 720 Kilometer in 28 Stunden

Hermann Dopfer (50) hat es geschafft. Beim Schweiz-Marathon (720 Kilometer/12500 Höhenmeter) hat sich der Ultra-Radfahrer aus Börwang für das legendäre «Race across America» qualifiziert. Dafür reichte ihm in der Schweiz der zweite Platz in seiner Altersklasse (über 50 Jahre). Nach 28:05 Stunden war er im Ziel. Nicht, dass er damit zufrieden gewesen wäre: «Ich habe mir vorher ausgerechnet, dass ich es unter 24 Stunden schaffe».

Die Qualifikation für das wohl bedeutendste Langstreckenrennen mit dem Rennrad quer durch die USA von West nach Ost war für Dopfer eher ein Neben-Effekt. Andere trainieren wie besessen, um einmal an diesem Rennen teilnehmen zu dürfen. Dopfer gelang es quasi im Vorüber-Radeln. «Klar ist es schön, das geschafft zu haben», sagt er. «Aber Ziel war, unter 24 Stunden im Marathon zu bleiben.»

Kalt und nass in der Nacht

Das wäre ihm auch gelungen, hätte er seinen flotten Ritt zu Beginn des Rennens bis zum Ende durchziehen können. «Ich bin einer, der es warm mag.» Die Nacht aber war nass und kalt; gar nicht nach dem Geschmack des Börwangers. Nach Mitternacht musste er sogar im Begleitfahrzeug sitzen, weil es ihm nicht gut ging. «Ich weiß nicht mal, was ich hatte», so Dopfer. «Auf jeden Fall ist viel Zeit flöten gegangen.»

Die Helfer (Wulf Beer und Dopfers Frau Heike) hatten zwischenzeitlich überlegt, ob sie ihn nicht aus dem Rennen nehmen sollten. «Ich habe ihnen gesagt, es wird schon wieder». Dieser Oberallgäuer ist ein wahrlich zäher Bursche. Erst einmal im Rennen, kann ihn kaum noch etwas stoppen; und schon gar kein Plattfuß im Morgengrauen. «Den Glasscherben auf dem Radweg bin ich noch ausgewichen. Aber den Stein habe ich nicht liegen sehen.» Er fuhr drüber und Peng. Doch seine Helfer waren im Nu zur Stelle und der Höllenritt ging weiter.

Nach 600 Kilometer war er dann am Ausgangspunkt in Wiedlisbach (nahe Solothurn) wieder angelangt. Doch dort war noch lange nicht Schluss. Auf einer Schleife ging es über 120 Kilometer erneut nach Wiedlisbach. Erst dann sah Dopfer die Zielflagge. «Das ist hart», sagte Dopfer, «wenn du das Ziel siehst, aber noch lange nicht durch bist.» Stellt sich die Frage, was an dem Rennen nicht hart sein soll

Trotz aller Glücksgefühle nach 720 Kilometern war Dopfer am Ende enttäuscht. Eine Siegerehrung hatten die Veranstalter nicht auf dem Plan. «Schade,» sagt er. Dafür bot ihm im Ziel spontan ein Sponsor 2000 Euro, «wenn ich für ihn das Race across America fahre.»

Jucken würde Dopfer - er startet für den RSC Kempten - das Rennen schon. «So eine Gelegenheit bietet sich nicht so oft. Aber ich bräuchte nicht 2000, sondern 20000 Euro.» Die hat er nicht. Dafür hat er Zeit: Die Qualifikation für das Race across America gilt drei Jahre lang.

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