Hitze
Hochsommer im Unterallgäu: Wie im Backofen

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Wenn das Quecksilber wie in diesen Tagen auf Werte jenseits der 30-Grad-Marke klettert, erfrischen sich die einen mit einem Sprung ins kühle Nass. Andere freuen sich über ein klimatisiertes Büro, in dem sie von Schweißflecken und Hitzewallungen weitestgehend verschont bleiben. Beides - Schwimmbecken und Klimaanlage - bleibt vielen Arbeitern verwehrt, die derzeit im Freien schuften müssen. Das fühlt sich an wie im Backofen.

In einem Gewächshaus der Memminger Baumschule Kutter zeigt das Thermometer an heißen Tagen bis zu 60 Grad an. << Sauna >>, sagt Gärtner Norbert Goßner und lacht. Er hat es gut, steht im Schatten von Populus tremula (Zitter-Pappel) und Urwelt-Mammutbaum und misst die Umfänge der Baumstämme für eine Bestandsaufnahme: << Leichte Arbeit. >> Schwerer haben es seine Kollegen auf den umliegenden Feldern, die Unkraut jäten müssen: << Gebückt. In der prallen Sonne. Denn die Bäume sind noch zu klein, um Schatten zu geben. >> Dann greift Goßner nach der Wasserflasche und nimmt einen großen Schluck.

Onur Gökdeniz trinkt nicht. Der 18-jährige Bauarbeiter leert sich das Wasser ins Gesicht und über den Körper. Der Sonne ausgeliefert, schwitzt er zwischen Dreck und Staub. Auf dem früheren Schlachthof-Areal ist er am Bau eines neuen Realschul-Gebäudes beteiligt. Gökdeniz zeigt auf seine nackte Haut am Arm: << Die Eisenstangen sind so heiß, dass man Verbrennungen bekommt. >> Am Mittwoch lag er stundenlang im Baustellen-Container - arbeitsunfähig: << Weil mein Herz bei der Hitze verrückt gespielt hat. >> Er fasst sich an die linke Brust. << Da hat es gestochen. >>

Sein älterer Kollege Akif Eken runzelt die Stirn: << Die Hitze ist bisschen gefährlich >>, sagt er in gebrochenem Deutsch. >> Die Sonne hat seine Haut an Armen und Beinen fast schwarz gefärbt. Schutzcreme? Eken lacht: << Die wäscht der Schweiß ab. >> Was tut man, wenn die Hitze schier unerträglich wird? Eken lacht wieder: << Weiterarbeiten. >> Dann wirft er eine Flex an, die Funken sprühen.

Staub fliegt bei Manfred Bissinger in die heiße Luft des Nachmittags und setzt sich in den Augen fest. Der Arbeiter vom Memminger Bauhof ebnet mit einem Rüttler den aufgerissenen Boden vor dem Parkhaus Steinbogenstraße. << Teeren ist schlimmer >>, sagt er und nimmt die Kopfhörer ab. << Der flüssige Asphalt wird bis zu 180 Grad heiß. >> Bissinger bekämpft die Hitze mit Wasser, Tee und weiten Klamotten. Dennoch wirds ihm << ab und zu ein bisschen schwummrig >>.

<< Eher die Jüngeren kollabieren >>

Im Klinikum werden derzeit << nicht übermäßig viele >> eingeliefert, die unter der extremen Hitze leiden, so Internist Peter Weisig. Und wenn, dann sind es << eher die Jüngeren, die kollabieren. Die Älteren gehen bei dem Wetter nicht so oft vor die Tür >>.

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