Marktoberdorf | Von Peter Steinbach
Hochklassige Sänger und Bläser in Topform

Seit vielen Jahren dient der Erlös des weihnachtlichen Benefizkonzerts unter der Schirmherrschaft des Lions Club caritativen Zwecken und ebenso lang sind die Kirchen jedes Mal überfüllt. Tradition bei hoher Qualität zahlt sich eben aus und so präsentierten sich in der prächtig renovierten Stadtpfarrkirche St. Martin sowohl der Carl-Orff-Chor als auch zwei Bläsergruppen. Unter der Bezeichnung «Schwäbisch Metall» bzw. «Cambodunum Brass» und unter der Leitung des seit Jahrzehnten bewährten Dozenten Ulrich Köbl trugen sie erheblich zur festlichen Stimmung bei.

Doch zunächst zum Carl-Orff-Chor mit Stefan Wolitz als seinem neuen Leiter. Er hat das Amt erst seit sehr kurzer Zeit von Robert Blank übernommen und naturgemäß dem Chor noch nicht seinen persönlichen Stempel aufdrücken können. Der Chor sang somit große Teile aus seinem bewährten Repertoire und die sang er, wie gewohnt, in hochklassiger stimmlicher Manier, mit feiner Phrasierung und dem berühmten Pianissimo, welches ihn schon in der Groß-Ära auszeichnete. Wenn man ihn optisch noch besser sichtbar gemacht hätte, vielleicht mit zwei Strahlern links und rechts, wäre das Erlebnis vollkommen gewesen.

Aus dem chorischen Angebot ein paar Beispiele: Das schlicht-ergreifende «Ave Maria» von Villa-Lobos, einem Komponisten, den vor allem Gitarristen als den ihren ansehen. Oder von Mendelssohn-Bartholdy «Warum toben die Heiden», ein groß angelegter vielstimmiger Satz von beeindruckender Wirkung. Als Vertreter des Barock war Heinrich Schütz zu hören und wie immer zum Abschluss die schlicht-volkstümlichen Weihnachtslieder-Sätze von Manfred Beulecke.

Feinste Schattierungen

Innerhalb des Carl-Orff-Chores hat sich ein Ensemble aus acht Sängern herauskristallisiert, welches sich «Animato» (ital. beseelt, belebt) nennt. Es sind dies ein Führungstenor, jeweils zwei Sopran- und Altstimmen und drei weitere tiefere Männerstimmen.

In diesem Oktett lassen sich natürlich wunderbar feinste Schattierungen singen, wie beispielsweise Franz Biebls «Ave Maria». Auch den «Adventsjodler» darf man stilistisch durchaus dieser kleinen Besetzung zuordnen.

Im Rahmen dieses Konzertes gab es noch ein höchst hörenswertes Bläserensemble zu erleben, welches von Ulrich Köbl zu Topform geschult wurde und in wechselnder Besetzung herrliche Bläserweisen erschallen ließ. Spontan erhielten sie sogar Szenenapplaus. In Maximalgröße von vier Trompeten, vier Posaunen, Horn und Basstuba schien es für sie musikliterarisch keine Probleme zu geben. Ansatz, Intonation, sehr dezente Lautstärke, Farbigkeit im Ausdruck - Ulrich Köbl hat seinen begabten Musikern viel mit auf den Weg gegeben.

Stellvertretend für das gesamte Programm sei die «Weihnachtslieder-Suite» von Jan Koetsier genannt, ein reizendes Medley bekannter, ineinander übergehender Melodien, die ihren besonderen Pep noch durch akustische Spielereien wie die häufige Verwendung von Dämpfern erhielten. Und eine Trompete oder Posaune klingt dann mal weich, mal leicht grotesk, in jedem Fall anders. Die Besucher von St. Martin sparten nicht mit riesigem Applaus für Ulrich Köbl, Stefan Wolitz und die Ensembles.

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