Kunstflugpilot
Hochdeutsch war das einzige Problem

Vom Tannheimer Flugplatz in die Tonstudios von Disney – das ist die Kurzversion von Matthias Dolderers Rolle für den Animationsfilm 'Planes'. Im MZ-extra-Interview erzählt der Kunstflieger wie die Arbeit hinter den Kulissen aussah.

Herr Dolderer, wie ergattert man als Laie eine Synchronrolle bei Disney? Matthias Dolderer: 'Ich wurde vorgeschlagen. Der Regisseur, der für die deutsche Übersetzung des Films verantwortlich war, ist ein ehemaliger Flugschüler von mir. Er hat Disney den Tipp gegeben, mich anzurufen, da ich als Pilot genau in das Konzept des Films passe. Natürlich habe ich gleich zugesagt.'

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle des Jets Echo vorbereitet?

Dolderer: 'Ehrlich gesagt gar nicht. Das einzige, was wir vor den Aufnahmen gemacht haben, war, uns den Film in der Originalversion anzuschauen. Danach ging es direkt zur Arbeit ins Tonstudio.'

Was ist Echo für ein Typ? Konnten Sie sich mit ihm identifizieren?

Dolderer: 'Echo gehört zu einer Gruppe Jets, die der Hauptfigur Dusty zur Seite steht, als es schwierig wird. Er ist sozusagen ein freundlicher Helfer und Retter in der Not. Ich finde ihn cool.

Wie ist es Ihnen im Tonstudio ergangen?

Dolderer: 'Im Prinzip fiel mir das Einsprechen leicht. Der schwierigste Teil bestand darin, die erste Scheu zu verlieren und nicht mehr darüber nachzudenken, wie ungewohnt sich die eigene Stimme anhört. Doch mit jeder Aufnahme habe ich dazu gelernt und sprach viel flüssiger. Abgesehen von der Geschwindigkeit müssen auch Stimmlage, Betonung und Emotion passen. Bis das alles gestimmt hat, mussten manche Szenen bis zu 20 Mal aufgenommen werden. Im Grunde war die Atmosphäre aber doch sehr entspannt, schließlich waren die Aufnahmen nicht live.'

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit Prominenten und Profis?

Dolderer: 'Viel mitbekommen habe ich von den anderen nicht, da jeder seinen Teil alleine eingesprochen hat. Der größte Vorteil, den die Profis mir gegenüber hatten, war wohl, dass sie öfter und besser Hochdeutsch sprechen als ich (lacht). Und natürlich sind sie aufgrund der Übung auch sonst viel redegewandter.'

Der Film läuft seit dem 29. August in den Kinos. Wie sind die Reaktionen von Freunden und Bekannten bisher?

Dolderer: 'Jedem, von dem ich wusste, dass er sich den Film im Kino ansieht, habe ich davor noch einmal gesagt: 'Der Jet mit dem roten Helm, auf den müsst ihr achten.' Und das wurde dann auch so gemacht. Bisher habe ich nur gutes gehört.'

Gab es für Sie einen persönlichen Höhepunkt?

Dolderer: 'Auf alle Fälle das Endergebnis und die Premiere. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie charakterstark die Flugzeuge im Film tatsächlich rüberkommen. Erst beim zweiten Nachdenken wurde mir bewusst, dass wir geschafft haben, dass die Maschinen menschlich wirken. Das hat mich beeindruckt.'

Was hat Ihnen bei 'Planes' besonders gefallen?

Dolderer: 'Die Moral und die Aussage des Films empfinde ich als sehr wichtig: Verfolge deine Träume und höre nicht so viel auf das, was andere dir sagen. Ich bin der Meinung: Alles war man sich vorstellen kann, kann man auch erreichen. Das hat mir dieser Film noch einmal verdeutlicht.'

Eventuell wird es einen zweiten Teil geben. Kann Disney auf Sie zählen?

Dolderer: 'Auf jeden Fall! Ich wäre sofort wieder dabei.'

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