Denkmaltag
Historischer Verein Memmingen stellt in Ratzengraben-Turnhalle aus

Da die Turnhalle am Memminger Ratzengraben im Jahr 1865 fertiggestellt wurde, war sie für den Historischen Verein Memmingen der ideale Ort für seine Fotoausstellung «Aufbruch in Memmingen. Neu- und Umbauten zur Gründerzeit» zum diesjährigen Tag des Offenen Denkmals. Denn der stand unter dem Motto «Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert».

Christoph Engelhard, Stadtarchivar und Vorsitzender des Vereins, freute sich, dass trotz sommerlicher Temperaturen zahlreiche Besucher den Weg in die noch heute genutzte Turnhalle fanden.

Engelhard, der durch die historische Ausstellung führte, machte auf Bürgermeister Julius von Roeck (1818-1884) und Stadtbaumeister Karl Bandel (1828-1896) besonders aufmerksam, da << deren Namen auf allen Beschlüssen und Plänen zur Modernisierung fast aller Gemeinschaftseinrichtungen vermerkt sind >>.

Der politisch engagierte Mühlenbesitzer Julius Roeck wurde 1865 - im gleichen Jahr, als die Ratzengraben-Turnhalle fertig gebaut war - zum Bürgermeister in Memmingen ernannt. 1871 erhob ihn König Ludwig II. in den persönlichen Adelsstand.

Zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum bekam Julius von Roeck vom Stadtmagistrat eine Fotosammlung mit insgesamt 14 Aufnahmen, die die wichtigsten Bauprojekte seiner Amtszeit dokumentierten. Laut Engelhard verstarb von Roeck 1884 << unerwartet im Amt >>.

Lederbezogene Schatulle

Überraschenderweise schenkte Wilhelm Mändle aus Essen, gebürtiger Memminger und damaliger Nachbar der Familie Roeck, im Sommer 2011 dem Stadtarchiv oben genannte Fotografien zusammen mit einer lederbezogenen und mit dem Stadtwappen verzierten Holzschatulle.

Nun wurden die Aufnahmen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, ergänzt durch Fotos aus dem Stadtarchiv.

Roecks Zeitgenosse Karl Bandel wurde 1853 zum hauptamtlichen Stadtbaumeister Memmingens berufen. Viele Jahre war er auch Vorstand der 1860 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr und des << Ersten Memminger Verschönerungsvereines >>.

Da Bandel für alle städtische Hoch- und Tiefbauten verantwortlich war, entstanden in seiner Amtszeit (bis 1889) unter anderem das Feuerlöschrequisitenhaus (damals mussten die Floriansjünger zum Löschen auf Leitern steigen), die Turnhalle am Ratzengraben, das Schlachthaus, die Elsbethenschule, das Krankenhaus an der Steinbogenstraße, die Kinderlehrkirche, die Schrannenhäuser, das Leichenhaus, das Theater und das Rathaus, das Steuerhaus und die Großzunft.

Die interessierten Besucher unterhielten sich rege beim Betrachten von historischen Gebäuden und Kirchen. Und manche konnten sich sogar an das eine oder andere Bauwerk erinnern, das heute nicht mehr steht.

Wer noch mehr über das 19. Jahrhundert in Memmingen erfahren wollte, schloss sich Sabine Rogg an, die nach dem Besuch der Ausstellung eine anschauliche Stadtführung anbot.

Ausstellung Die Fotoschau << Aufbruch in Memmingen. Neu- und Umbauten zur Gründerzeit >> ist noch bis Freitag, 16. September, in der Memminger Rathaushalle zu besichtigen, täglich von 8 bis 17 Uhr, am Freitag nur bis 12 Uhr.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen