Kempten
Hinter Rauschebart und Mitra steckt eine Frau

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Auf den Geschmack kam Christine Doll bereits als 17-Jährige. Da nämlich, es war im Jahr 1958, besuchte ihr älterer Bruder am 5. Dezember erstmals als Nikolaus Kinder in der Nachbarschaft. «Davon war ich total begeistert», sagt die heute 68-Jährige. Ein Jahr später stand sie dann selbst im von der Mutter genähten Umhang als Bischof vor den Nachbarskindern. Den Umhang hat Christine Doll noch heute. Seit nunmehr 50 Jahren holt sie ihn am Nikolaustag aus dem Schrank, um als Heiliger Mann Kinder zu besuchen.

Christine Doll nennt es ihren kleinen Beitrag zum Frieden in der Welt, wenn sie jedes Jahr - meistens am 5. und 6. Dezember - in die Rolle des Bischofs Nikolaus schlüpft. Dem Nikolaus von Myra, der in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts als griechischer Bischof von Myra in Kleinasien wirkte und als Sohn reicher Eltern sein Vermögen an die Armen verteilt haben soll, fühlt sich die 68-Jährige sehr nah. Ganz genau und gut will sie deshalb jedes Jahr aufs Neue ihre Sache machen und ist vor jedem Einsatz aufgeregt.

Mit ihrem 41-jährigen Sohn Harald als - recht handsamer - Knecht Ruprecht macht sich Christine Doll in manchen Jahren bis zu 14 Mal an zwei Tagen auf den Weg zu Familien mit Kindern. Und dabei gilt: «Ich spiele die Figur immer zum Wohl der Kinder.

» Getadelt, sagt Christine Doll, werde von ihr höchstens eine Sache und nicht, wie von vielen Eltern oft gewünscht, eine ganze Reihe an «Verfehlungen». Denn wenn man sich auf eine Sache konzentriert, hat Christine Doll die Erfahrung gemacht, «dann funktioniert das auch und im nächsten Jahr sind die Kinder stolz, wenn sie positive Nachrichten für mich haben».

Und wie sieht es mit der Glaubwürdigkeit des Nikolaus aus - zumal, wenn er auch noch eine Frau ist? «Wenn die Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren sind, klappt das gut», weiß Christine Doll. Mit viel Respekt würden die Knirpse dem Heiligen Mann meist gegenübertreten und hätten in aller Regel auch ein Lied oder ein Gedicht für ihn parat.

Einmal fast von einer Sechsjährigen entlarvt

Die 68-Jährige wurde also noch nie entlarvt? «Doch, fast», schmunzelt Christine Doll. Bei einer Weihnachtsfeier kam der Nikolaus einer Sechsjährigen irgendwie bekannt vor. Von der Mama erfuhr die Rentnerin später, dass das Mädchen gemeint habe, «der Nikolaus sieht aus wie die Frau Doll und hat auch ihre Stimme.» Das wäre also fast schief gegangen. Aber immerhin: Seit dem Vorfall mit besagter Sechsjähriger hat die Nikolaus-Frau für eventuelle Nachfragen spitzfindiger Knirpse immer die richtige Antwort parat: «Der Bischof Nikolaus ist im Himmel und auf der Erde hat er seine vielen Helfer.» Und einer von ihnen ist eben Christine Doll.

Mit bischöflicher Kopfbedeckung, Mantel, Rauschebart, Bischofsstab und den extra in Rot lackierten Stiefeln wird die 68-Jährige auch an diesem Wochenende in Begleitung ihres Sohnes losziehen. Und mit einer Botschaft für die Familien, die ihr besonders am Herzen liegt: «Dass ein liebevolles und achtsames Miteinander das Allerwichtigste ist.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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