Mersin / Oberstaufen
Hilfstransport steckt in der Türkei fest

1200 Euro für 350 Kilometer Straßenbenutzung in der Türkei und 50000 Euro Sicherheitsgebühr, die man an der türkisch-syrischen Grenze wieder zurückbekommen sollte, waren den Fahrern des Hilfstransportes dann doch zu viel. «Außerdem hatten wir grad nicht so viel Geld dabei», scherzt der Oberstaufener Wilfried Gehr vom Organisationskomitee trotz Wut im Bauch noch.

Die Macher der Allgäu-Orient-Rallye waren mit einem Mercedes-Lkw unterwegs in den Orient. Im fernen Amman sollte die Einrichtung für eine aus dem Ertrag der Motorsportveranstaltung angeschaffte Käserei in Jordanien abgeliefert werden. Der Hilfstransport wurde in Mersin an der türkischen Riviera, nur 600 Kilometer vom Ziel entfernt, gestoppt.

«Drei nervige Verhandlungstage, weil Bakschisch nicht floss»

Als der «horrende Bakschischbetrag» (Gehr) nicht floss, habe der Zöllner den im Vorarlberger Andelsbuch vom stellvertretenden Bürgermeister Anton Felder gefertigten Käsekessel sowie die Paradigma-Solaranlage des Oberstaufener Installateurmeisters Walter Hartmann und seines Partners Eddy Brahms als «Militärgut» oder wenigstens als «Kommerzmaterial» umgestuft, berichtet Gehr aus der Türkei.

Damit seien die vom Kemptener Zollamt ausgestellten Transportpapiere als Hilfsgüter nicht mehr ausreichend. Nach «drei nervigen Verhandlungstagen» haben die Rallyemacher ihren Kampf gegen den türkischen Zoll aufgegeben. Nun kümmern sich laut Gehr die Vereinten Nationen und das World Food Programme, die Partner der Rallye sind, um die Hilfslieferung. Bis eine diplomatische Lösung gefunden ist, steht der Lkw mit Hilfsgütern für arme Beduinenfamilien im Wert von über 60000 Euro nun im Zollhafen von Mersin fest.

Walter Hartmann ist zuversichtlich, dass die Käserei und Solaranlage trotzdem bis zum Spätsommer in Jordanien ankommt. Dann will er nämlich die Anlage installieren, damit spätestens Anfang Oktober der erste Beduinenkäse gefertigt werden kann.

Oberstaufens Rallyedirektor Wilfried Gehr ist immer noch stinksauer, weil das Projekt nun stockt: «Es ist ein Unding, wie hier willkürlich durch korrupte Staatsvertreter ehrenamtliches Engagement, Zeit und Geld zerstört wird.»

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