Memmingen
«Hier entdeckt man Rohdiamanten»

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Anna Rinderle legt die Kugel an den Hals, hält für einen kurzen Moment inne, dreht sich um 180 Grad und stößt. «Jetzt hab ich schon mal einen Sicherheitsstoß», sagt die 15-Jährige zufrieden. Das kann sie auch sein, denn kurz darauf erfährt und bejubelt sie ihre Weite: «Neue persönliche Bestleistung - 11.68 Meter.» Die 15-Jährige nimmt in Memmingen an den Wettkämpfen der Internationalen Bodensee Leichtathletik (IBL) teil und gilt bei der DJK Memmingen als Medaillenhoffnung.

Nicht nur an der Kugelstoßanlage reihen sich unter die zwölf bis 15-jährigen Sportler einige Erwachsene. Eltern, Großeltern und Trainer feuern ihre Sprösslinge an, bauen sie auf und geben Ratschläge. «Wir leben in einer anderen Zeit», erklärt Karl-Heinz Utz, IBL-Sportwart. «Heute ist die ganze Familie in den Sport mit eingebunden und auch der Ton der Trainer ist ein anderer als früher.»

Diese «positive Entwicklung» zeigt sich auf dem ganzen Sportfest - zwischen Trainern und Athleten herrscht eine lockere Stimmung, genauso unter den Sportlern selbst.

«Gerade bei den Wurfdisziplinen geht es familiär zu», erzählt Rinderle, die beim Kugelstoßen und Diskuswerfen antritt. «Wenn der erste Stoß gut ist, weiß man, dass noch was geht». Und sie hat recht. Nachdem ihre neue Bestleistung mit Sätzen wie «und wo bleiben die 12 Meter?» kommentiert werden, beweist sie es im Finale allen - mit 12.31 Metern hebt sie sich deutlich von ihren Konkurrentinnen ab und gewinnt.

Das Besondere der IBL-Meisterschaften sei, dass sich die Jugendlichen auf den internationalen Vergleich vorbereiten könnten, sagt Utz. Immerhin würden bei der IBL alle Bodensee-Anrainer teilnehmen (siehe auch Infokasten «IBL»). «Und immer wieder entdeckt man Rohdiamanten», sagt der 75-jährige Utz und seine Augen leuchten.

Inzwischen ist es Mittag geworden, Rinderle muss zum Diskuswerfen. Es läuft aber nicht so gut wie mit der Kugel: Der erste Wurf geht ins Netz, der zweite ist Durchschnitt. Nach drei Würfen bangt das Mädchen sogar um den Einzug in das Finale, später um den Sieg.

«29 Meter und acht Zentimeter? - normalerweise werfe ich 30», sagt sie enttäuscht. Später jubelt sie, weil sie doch noch gewonnen hat - mit einem Zentimeter Vorsprung.

«Wir leben in einer Zeit», so Utz, «in der es schwierig ist, Nachwuchs zu begeistern». Allerdings erfülle es ihn umso mehr mit Stolz, die 317 sportbegeisterten Jugendlichen «bei diesem Fest» zu beobachten.

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