Kempten
Hickhack um den blauen Dunst stinkt den Wirten

Es gab Zeiten, da galt das bayerische Nichtraucherschutzgesetz als das strengste in der ganzen Republik. Zum 1. August nun löst sich dieses Gesetz in Rauch auf, streng wird durch liberal ersetzt (wir berichteten). Damit darf in Bierstüberln und Kneipen mit weniger als 75 Quadratmetern Fläche sowie wie in Nebenräumen von größeren Gaststätten und Diskotheken wieder gequalmt werden. Wie wirkt sich das neue Gesetz in der Gastronomie in Kempten aus? Kurzum: Die Wirte sind genervt vom ewigen Hü und Hott im Landtag. Und sie finden, dass die bisherige Regelung gar nicht so schlecht war.

Rüdiger Preschl, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands und Inhaber des Storchennests, findet klare Worte: «So etwas kommt heraus, wenn sich Nichtfachleute - in dem Fall Politiker - in Dinge mischen, mit denen sie keine Erfahrung haben.» Durch das neue Gesetz befürchtet er «politisch verordnete Konfrontationen». Denn mit der bisherigen Regelung, dass außer in Raucherclubs nirgends geraucht wird, hätten sich die Raucher abgefunden. Nun seien Konflikte vorprogrammiert. Preschl nennt ein Beispiel: In einem Nebenraum wird wieder offiziell geraucht. An einem Tag befindet sich dort der Stammtisch, gleichzeitig feiert aber eine Familie - samt Kindern - ein Fest. «Wie macht man denn dann den Rauchern klar, dass sie gerade an diesem Tag im Raucherraum nicht rauchen dürfen?», sagt Preschl.

Erlaubte Raucherräume hin oder her: Die Gaststätte «Zum Stift» wird Nichtraucherzone bleiben, versichert Chef Jürgen Berkmiller. Die bisherige Regelung habe sich bewährt. Die Raucher würden sich «sehr kollegial» verhalten und zum Qualmen hinausgehen. «Außerdem haben wir dadurch, dass nicht geraucht wird, neue Gäste gewonnen, vor allem Familien mit Kindern», betont Berkmiller: «Dass das Gesetz so schwankend ist, nervt.»

Für Bedienungen angenehmer

Wie es im Meckatzer Bräuengel weitergeht? «Wenn ich das schon wüsste», stöhnt Inhaber Klaus Knoll. Er glaubt, dass die Raucher ihr neues Recht auch einfordern werden und in seiner Pilsbar hätte er die Möglichkeit, einen Raucherraum einzurichten. «Aber ich glaube, ich lasse es, wie es ist», sagt Knoll. Schließlich sei es auch für die Bedienungen angenehmer, wenn nicht geraucht wird.

Eine endgültige Entscheidung will er jedoch erst treffen, wenn er seine Gaststätte nach dem Urlaub Ende August wieder eröffnet.

Ganz klare Vorstellungen für die Zeit ab August hat Hanspeter Hold, Chef des Ritterkellers. Er hatte bei Inkrafttreten des strengen Rauchverbots einen Club gegründet. Allerdings, verkündet er nun auf seiner Homepage, stehe in der Clubsatzung «kein einziger Satz über das Rauchen». Der Club bleibe also weiter bestehen und jeden Freitag und Samstag werde es Clubabende geben.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen