Landwirtschaft
Heumilch als Chance für Bauern in schwierigen Zeiten zu bestehen

Im Vergleich zur Standard-Milch ist ihr Anteil an der Gesamtmenge noch recht gering. Dennoch kann Heumilch laut Experten eine Möglichkeit sein, wie Milchbauern in wirtschaftlich schwierigen Zeiten am Markt bestehen können. Auch aus diesem Grund wird am 29. März in Immenstadt ein Heumilchabend stattfinden – eine Info-Veranstaltung, die der Verband landwirtschaftlicher Fachbildung ausrichtet. Wir sprachen über das Thema Heumilch mit Gerhard Gehring. Er ist Fachberater am Landratsamt Oberallgäu und selbst Bergbauer.

Warum ist Heumilch für Landwirte so interessant?

Gehring: So naturnah und traditionell wie Heumilch wird keine andere Milch produziert, es ist die ursprünglichste Form der Milchherstellung. Die Kühe erhalten das Futter angepasst an den Lauf der Jahreszeiten: Im Sommer frisches Gras, Kräuter und Klee, im Winter Heu und Getreide.

Auf vergorenes Gras oder Mais (Silage) wird ganz verzichtet. Die so gewonnene Heumilch ist ein erstklassiger Rohstoff und Voraussetzung für die Käseherstellung. Man kann also sagen: Heumilch ist ein Premiumprodukt, mit dem Landwirte langfristig einen guten Erlös erzielen können.

Die Heumilch als Nischenprodukt, um erfolgreich zu sein?

Gehring: Eine Nische zu finden und zu besetzen ist Grundvoraussetzung, um am Markt bestehen zu können, wenn im Jahr 2015 die Milchquote wegfällt. Die Heumilch kann meiner Überzeugung nach so ein Nischenprodukt sein, mit dem sich die Allgäuer Bergbauern positionieren und den nahen und fernen Markt bedienen können.

Die Heumilch ist ein Produkt, das gut zur Region passt. Und der Verbraucher sichert durch den Kauf nicht nur heimische Arbeitsplätze, sondern weiß, wo die Milch herkommt.

Die Lust aufs Landleben und die Romantisierung der Natur liegen derzeit ja voll im Trend

Gehring: Ja genau. Sehen Sie nur den Erfolg einschlägiger Zeitschriften. Ich sehe da durchaus die Chance, einen Kundenkreis für Produkte zu begeistern, die über das Normale hinausgehen. Und es gibt viele Menschen, die gerne für besondere Qualität Geld in die Hand nehmen.

Dass ist für Luxusgüter so, und sollte doch noch mehr für gesunde Lebensmittel gelten. Dass so etwas funktionieren kann, zeigt das Beispiel Österreich, wo die Heumilch als Marke bereits positioniert ist. Der Absatz der Milch im In- und Ausland ist dort kräftig gestiegen.

Finden Sie nicht, dass der Name 'Heumilch' ein wenig in die Irre führt?

Gehring: Der Gedanke ist mir auch schon gekommen. Irgendwie sollte man es fast noch umschreiben und das Naturnahe, Traditionelle herausstreichen. Oder so in die Richtung, wie es die Österreicher machen: 'Heumilch – Die reinste Milch' – das klingt schon ganz gut.

Zu einem Informationsabend zum Thema Heumilch lädt der Verband landwirtschaftlicher Fachbildung Immenstadt am Donnerstag, 29. März, um 20 Uhr in den Gasthof Krone in Immenstadt/Stein.

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