Allgäu
Heuer springt der Funke bei der Elektrifizierung nicht mehr über

So viel Dampf kann man gar nicht machen, dass heuer noch mit den Arbeiten für die Elektrifizierung der Bahnstrecke von München über Memmingen nach Lindau und Zürich begonnen wird.

Ein so genanntes Planfeststellungsverfahren zur Genehmigung des seit Jahren geforderten Ausbaus ist noch nicht einmal eingeleitet. Das bayerische Wirtschaftsministerium will jetzt mit Argusaugen darauf achten, dass das Projekt nicht weiter verzögert wird, um einen 50-Millionen-Zuschuss der Schweiz für die Realisierung nicht zu gefährden.

Die Elektrifizierung der Bahnlinie in die Schweiz ist ein «Ewigkeitsprojekt». Das Allgäu fordert den Ausbau seit Jahren, um das Angebot zu erhöhen (geplant sind acht Fernverkehrszüge pro Tag im Zwei-Stunden-Takt) und die Fahrzeit erheblich zu verkürzen (München-Zürich in dreieinviertel Stunden).

Die Bahn hat den Bedarf dazu lange trotz der Konkurrenz durch die fast parallel verlaufende Autobahn A96 bezweifelt. Um die Entscheidungen auf deutscher Seite zu erleichtern, sagte die Schweiz einen Millionenzuschuss zu, machte allerdings einen Baubeginn im Jahr 2010 zur Bedingung.

Obwohl dies nicht möglich ist, haben die Schweizer zugesagt, keinen Rückzieher zu machen, kennt Hans Peter Göttler als Leiter der Verkehrsabteilung im Wirtschaftsministerium Verhandlungsergebnisse. Der Freistaat werde aber massiv darauf dringen, dass das Genehmigungsverfahren so schnell wie möglich zu Ende gebracht wird. Göttler: «Weitere Verzögerungen, gar um ein weiteres Jahr, darf es keinesfalls geben.»

Die Bahn gibt sich derzeit zugeknöpft und verweist nur auf einen bereits veröffentlichten Zeitplan. Dieser sieht vor, als nächstes die an der Strecke liegenden Gemeinden über Details zu informieren. Für Memmingen ist dies zum Beispiel aus Sicht des Lärmschutzes wichtig, weiß Göttler. Dort gibt es nämlich Befürchtungen, dass über die elektrifizierte Strecke erheblich mehr - laute - Güterzüge geführt werden als zur Zeit, und dies nachts.

Kürzere Fahrzeiten

Von der Elektrifizierung der Ost-West-Verbindung profitieren hauptsächlich Fernreisende. Zeitgleich arbeitet die Bahn aber am Ausbau aller Allgäuer Hauptstrecken für die so genannte Neigetechnik, und dabei wird vor allem an Reisende im Nahverkehr gedacht. Auch mit der Neigetechnik verkürzen sich Fahrzeiten, weil sich die Züge regelrecht in Kurven legen können.

Sobald dieses Projekt technisch abgeschlossen ist, will das Wirtschaftsministerium laut Göttler den gesamten Bahnverkehr im Allgäu auch organisatorisch revolutionieren und dadurch Vorteile für Reisende herausholen.

Öffentlich ausschreiben

Wie kann das funktionieren? Im Nahverkehr bestimmt der Freistaat Bayern die Fülle des Angebots und bestellt die Zahl der verkehrenden Züge bei Verkehrsunternehmen.

Bei einsatzbereiter Neigetechnik will das Ministerium nicht mehr automatisch der Bahn AG den Zuschlag geben, sondern alle Allgäuer Strecken öffentlich ausschreiben. Von mehr Konkurrenz erhofft sich Göttler mehr Entgegenkommen der Anbieter. Bisher fährt nur auf einer einzigen Allgäuer Strecke (München-Lindau über Kempten) der Alex zusätzlich zur Bahn.

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