Heimenkirch
Helfen können ist ihm das Wichtigste

Jeden Vormittag wartet Dr. Gerhard Popp, ob sein Sohn Matthias ihn in der Praxis brauchen kann. Auch nach 15 Jahren im Ruhestand ist Ruhe das Letzte, was der Chirurg und Allgemeinmediziner brauchen kann. Helfen können und sich nützlich fühlen - das ist das Wichtigste für den Heimenkircher, der heute seinen 85. Geburtstag feiert. Am Nachmittag gibt es einen offenen Empfang im Garten. Nicht nein sagen zu können bezeichnet Popp als seine größte Schwäche. Und nur so ist auch das Interview zu seinem Ehrentag zustande gekommen, «denn eigentlich wollte ich nicht, dass wieder was geschrieben wird», sagt er. «Aber wenn Sie meinen». Auch sonst fällt es dem Mediziner schwer, Freunden und Bekannten eine Bitte abzuschlagen. Den Nachmittag hält sich Popp immer frei: fürs Lesen, Klavierspielen und vor allem, um Kontakte zu pflegen - für einen Gedankenaustausch bei Kaffee oder Wein. Immer dabei ist seine 68-jährige Frau Marita. Seit 41 Jahren sind die zwei ein Paar, seit 35 Jahren verheiratet. «Sie ist der unersetzliche Teil meiner Persönlichkeit», sagt Popp.

Krieg und Gefangenschaft haben Popps Leben geprägt. Fremdbestimmtsein ist dabei das Schlagwort. Noch heute steigen ihm Tränen in die Augen, wenn er an die Zeit in russischen und rumänischen Gefängnissen denkt. «Sich Gottes Hand überlassen - das lernt man da», sagt er. Auf seinem Lebensweg sind Popp einige Menschen zu Vorbildern geworden. Lehrer oder Universitätsprofessoren etwa. Allen voran aber seine Eltern - einfache Landwirte aus Ostpommern, die ihm Gewissenhaftigkeit, Bescheidenheit und bedingungslose Ehrlichkeit, die «oft schädlich sein kann» (Popp), vorgelebt und als Werte vermittelt haben.

Oft sind es kurze Momente, die Popp glücklich machen. Das kann ein gutes Gespräch sein oder ein unverhofftes Wiedersehen nach vielen Jahren. Einer der bewegendsten Augenblicke seines Lebens aber liegt über ein halbes Jahrhundert zurück; er war kurz nach der Freilassung aus einem DDR-Zuchthaus 1954: Die Alpen kannte der damals 30-Jährige bis dahin nur von Bildern und Karten. Sie faszinierten ihn. Dann - in Freiheit - auf Skiern am Fuße der Eiger-Nordwand (Schweiz) zu stehen, war überwältigend für Popp. «Dass ich das erleben durfte. Das konnte ich mir vorher nicht vorstellen.»

Um fit zu bleiben, schwimmen Gerhard und Marita Popp täglich ihre Bahnen im Heimenkircher Freibad. «Das ist kein Hobby, sondern Gesundheitsvorsorge», sagt er. Für die Zukunft wünscht sich Gerhard Popp, wie bisher mit seiner Frau zusammenzuleben «solange es mir geschenkt ist.»

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