Vierschanzentournee
Helden der Lüfte

Der Adler ist ein Greifvogel, der gerne als edel und majestätisch bezeichnet wird. Mit enormer Flügelspannweite ausgestattet, zieht er am Himmel souverän seine Bahnen. Ein Held der Lüfte. Schon in der Antike war der Adler ein Symbol von Macht und Sieg.

Was diese Zeilen mit der Vierschanzentournee zu tun haben, die am 28. Dezember mit dem Training und der Qualifikation in Oberstdorf beginnt? Nun, wer jemals oben auf der dortigen Skisprungschanze gestanden ist und in die Tiefe starrte, die schier kein Ende nehmen will, ahnt, dass am kommenden Dienstag ausschließlich Helden der Lüfte am Start sind. Skisprung-Adler, die majestätisch ins Tal fliegen; dort, wo vermutlich bis zu 30000 Zuschauer staunend nach oben blicken und hin und wieder mit einem gedehnten «Zieeehhhh» die Athleten zu möglichst großen Weiten animieren.

Faszination Skispringen: Immer wenn sich das Jahr dem Ende neigt, macht sich der Tross der weltbesten Athleten auf den Weg ins Allgäu. Eine Region erlebt dann ihren sportlichen Höhepunkt. Keine andere Wettkampf-Veranstaltung zwischen Memmingen und Oberstdorf ist in der Lage, zehntausende von Menschen zu locken. Der Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf ist das Sahnehäubchen - schon seit vielen Jahren.

l Weshalb das Skispringen die Massen derart elektrisiert?

Roland Girtler, Soziologie-Professor in Wien, hat das so erklärt: «Der Zuschauer steht an der Schanze und sieht den ganzen Vorgang, vom Absprung bis zur Landung. Im Gegensatz zu einem Ski-Abfahrtslauf. Skispringer springen ins Weite, in Innsbruck fliegen sie sogar direkt in Richtung eines Friedhofs. Das Ganze hat etwas Heldenhaftes. Das lieben die Menschen.»

l Wie es um die Psyche bestellt sein muss, wenn man sich ohne Not so in die Tiefe stürzt?

Dieter Thoma, einst einer der führenden Skispringer hierzulande, hat über Österreichs Topspringer Georg Schlierenzauer gesagt: «Er hat einen gigantischen Willen.» Im Klartext: Für diesen jungen Mann (und auch die anderen) gibt es keine Grenzen, keine Zweifel, keine Ängste. Sondern nur die Gier nach Macht und Sieg. l Skispringen als Möglichkeit, den Charakter zu stärken?

Es gibt immer mehr Seminare, bei denen sich Führungskräfte sportlich betätigen müssen. In Steinach in Thüringen beispielsweise werden Kurse angeboten, wo man das Gefühl erlebt, Skispringer zu sein. Gesichert mit moderner Bergsteiger-Ausrüstung, begibt sich der Teilnehmer auf eine sieben Sekunden lange Luftfahrt.

Natürlich gehört dazu entsprechender Mut. Die Belohnung: Das Erlebnis eines Skifluges von 150 Meter Länge und der Glaube an die eigene Stärke..

In Oberstdorf werden die Schmitts, Uhrmanns oder Neumayers ohne diesen doppelten Boden antreten. Und sich vielleicht am Ende als Helden feiern lassen.

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