Marktoberdorf
Heiße Diskussionen über Steuern und Kindergeld

Matthew (16) findet die gebührenfreie öffentliche Kinderbetreuung, die die Linkspartei fordert, gut. «Kostenlose Kitaplätze - das heißt doch, dass wir alle mehr Steuern zahlen müssen, oder? Selbst ein Opa, der gar keine kleinen Kinder hat» wendet Markus ein. Eifrig diskutieren die Marktoberdorfer Neuntklässler im Unterricht noch die Wahlprogramme der verschiedenen politischen Parteien - bevor sie selbst zum Urnengang schreiten.

Für die U18-Wahl, an der Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren teilnehmen können (wir berichteten), hat sich die Don-Bosco-Schule in ein Wahllokal verwandelt. Damit das nicht nur «Jux und Tollerei» ist, so Erich Nieberle vom Kreisjugendring, sondern einen echten Bezug zur Bundestagswahl hat, bereiten Robert Neumann und seine Lehrerkollegen die Schüler auf die freie und geheime Stimmabgabe in der Wahlkabine im Schülercafé vor.

Vorbereitung mit «Capito»

Dabei ist zum einen der Ablauf einer Wahl Thema: «Auf der «Capito»-Seite der Allgäuer Zeitung war das gut verständlich erklärt. Das habe ich den Schülern gleich kopiert», sagt Neumann.

Neben dem Wahlverfahren geht es anhand von «jugendfreundlichem» Material des Bundesjugendrings aber auch um die - besonders für die Neuntklässler interessante - Schaffung von Arbeitsplätzen oder um politische Positionen in der Bildungs- oder Jugendpolitik. Sabrina etwa hält die von der FDP geforderte Kindergelderhöhung auf 2000 Euro für Schwachsinn. «Wieso? Für ein Kind hat man hohe Ausgaben: Schuhe, Kleidung und so», fragt Markus. «Aber es gibt einige Eltern, die dann nur noch wegen dem Kindergeld Kinder kriegen wollen», meint Sabrina.

Niedrige Geburtenrate

«Sie hat nicht unrecht damit, was sie sagt. Was möchten denn alle Parteien fördern?», versucht Lehrer Robert Neumann die Diskussion in eine parteipolitisch neutrale Richtung zu lenken. «Die Politiker wollen, dass die Deutschen wieder mehr Kinder kriegen. Die Geburtenrate in Deutschland ist so niedrig», gibt Matthew die erwünschte Antwort. Die Schüler sind mitten drin in der Materie: Man merkt ihnen an, dass sie viel über Politik nachgedacht haben.

Neben der Neunten haben sich auch Siebt- und Achtklässler an der Förderschule in der Peter-Dörfler-Straße auf ihre erste «Bundestagswahl» vorbereitet. Begriffe wie Urne, Wahlzettel oder Wahllokal waren für die 14-jährigen Schüler zuvor böhmische Dörfer.

Nun wissen sie unter anderem, dass die Wahl eindeutig sein muss: «Keine zwei Kreuze auf einer Seite», sagt Milena. Gut findet sie auch den Überblick darüber, «was alle so anbieten»: «Auf den Plakaten macht jeder Politiker ja nur für sich selbst Werbung.» Ihre Klassenkameradin Angela hat sogar mitbekommen, dass sich ihre Namensvetterin Merkel und Frank-Walter Steinmeier «gar kein richtiges Duell» lieferten.

Wie Schulleiterin Jutta Mönninghoff deutlich macht, konnte man bei der U18-Wahl gut an die zum Schuljahresbeginn übliche Wahl der Klassensprecher anknüpfen. Es gehe darum, Interesse an politischer Allgemeinbildung zu wecken, so Mönnighoff. Diese sei wichtig für später. Wer sich frage, wozu er als angehender Maurer oder Floristin Ahnung von Politik haben müsse, habe an der Berufsschule schon verloren.

www.all-in.de/wahl

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