Kempten
Heiligkreuzer vermissen ihren «Oberen Wirt»

Als «Oberer Wirt» war der Gasthof zum Kreuz eine Institution. Kaum eine Veranstaltung oder private Feierlichkeit der Heiligkreuzer, die nicht im Kreuz-Saal stattfand. Die Vereine probten dort Bühnenstücke und Musik. Doch seit dem Jahreswechsel ist es die meiste Zeit dunkel in der Traditionswirtschaft, nachdem das alte Pachtverhältnis aufgelöst wurde. Viele Heiligkreuzer trauern einem Mittelpunkt des dörflichen Lebens nach.

Auf ihre Bockbierfeste beispielsweise müssen die Bürger heuer verzichten. Die Musikkapelle hat die geplanten Termine 21., 27. und 28. März abgesagt. Zu groß wäre der finanzielle Aufwand gewesen, den Saal für die Veranstaltungen anzumieten. «Das trifft uns schon hart», sagt Stefan Rietzler, Vorsitzender der Musikkapelle. Immerhin habe man bereits viel Zeit in die Vorbereitungen investiert. Ständig klingele das Telefon bei den Verantwortlichen wegen Kartenreservierungen. «Die Bude war immer brechend voll, da mussten wir gar keine Werbung machen», erzählt Rietzler.

Auch die Schützen sind ein wenig in Sorge um ihre Zukunft. Ihre Schießstände sind nämlich im gleichen Gebäude eingerichtet. «Unser Mietvertrag läuft noch bis August», berichtet Hans Weinhart, Mitglied der Vorstandschaft. Zurzeit versorgten sich die Schützen selbst mit Getränken. Aber das sei auf Dauer natürlich nicht ideal. «Es wäre fürs ganze Dorf interessant, wenn wieder ein Wirt da wäre», meint Weinhart. Dem stimmt Engelbert Eder zu, der seit Jahrzehnten das Vereinsleben mitgestaltet: «Das Entscheidende beim Oberen Wirt ist der Saal.» Dort seien alle immer gern zusammengekommen.

Mit der Vermarktung des Wirtshauses betraut ist die Allgemeine Vermögensverwaltung AVV mit Sitz im hessischen Langen. Von dort war indes keine Auskunft zu erhalten. Die Gesellschaft wiederum steht mit dem Allgäuer Brauhaus in Kontakt. Dessen Bezirksleiter Kubo Mayr weiß um die Hürden bei der Pächtersuche. «Beim Kreuz müsste halt auch einiges hineingesteckt werden», räumt er ein. Innen sei zwar alles in Schuss - das Mobilar gehört dem Brauhaus, das vor zehn Jahren noch eine Million in die Ausstattung gesteckt habe. Aber die Hülle müsste dringend renoviert werden. Einige zehntausend Euro müsste der Eigentümer dafür in die Hand nehmen. «Das macht er natürlich so lange nicht, so lange er keinen zuverlässigen Pächter findet», erklärt Mayr. Dies sei aber schwierig, nicht zuletzt weil derzeit reichlich Gastronomie-Objekte jeglicher Qualität verfügbar seien.

Verschiedene Gedankenspiele

Nun seien verschiedene Gedankenspiele im Gange. Überlegt wurde beispielsweise, dass die Vereine das Kreuz in Eigenregie umtreiben. Eine andere Idee zielt darauf ab, dass die Stadt sich einbringt: «Das ist ja kein typisches Heiligkreuzer Problem. In den meisten Orten rund um Kempten sind die Kommunen bei den Dorfwirtschaften eingestiegen», betont Mayr.

Bei der Stadt erntete dieser Einfall allerdings wenig Gegenliebe. Vereine zu unterstützen sei das eine, hieß es. Aber der Privatwirtschaft Konkurrenz zu machen, das sei schwer vorstellbar.

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