Füssen
Heilige Hallen aus ganz neuer Perspektive

Andernorts wirkt sie wie ein Magnet auf viele Menschen - nun soll die «Nacht der offenen Kirchen» auch in Füssen Gläubige und Nicht-Gläubige begeistern: Am Freitag, 23. Juli, werden sich acht Gotteshäuser in ungewohntem Licht präsentieren. Die Bandbreite der Aktionen reicht von der Meditation bis zum Jugendkonzert, von der Gregorianik bis zur italienischen Oper, vom Theater über göttliche Dialoge bis hin zur Friedhofsführung. Der gemeinsame Abschluss findet kurz vor Mitternacht in der Pfarrkirche St. Mang statt.

Der Antrieb bei evangelischen, katholischen und syrisch-orthodoxen Kirchengemeinden ist dabei stets derselbe: «Wir wollen die Menschen neugierig machen und ihnen zeigen, dass Kirche alles andere als verstaubt und spröde ist», so der evangelische Pfarrer Joachim Spengler. Auf seine Initiative hin wird die erste Füssener Kirchennacht nach rund neun Monaten Vorbereitungszeit stattfinden.

In Memmingen seilte sich ein Gemeindemitglied bei einer Kirchennacht vom fast 50 Meter hohen Glockenturm ab, in Kempten rezitierte Oberbürgermeister Dr. Netzer humorvolle Verse, zudem gab es Weinproben, Kinofilme und großflächige Lichtinstallationen. «So spektakulär wollen wir das nicht angehen», betont der katholische Dekan Frank Deuring, den die Idee Spenglers spontan begeistert hat.

Doch selbst wenn das Programm in Füssen beschaulicher ausfällt als andernorts - für ungewohnte Perspektiven und manchen Aha-Effekt wollen die Verantwortlichen sorgen. «Die Menschen sollen sehen, was in den Pfarrgemeinden läuft und welche kirchlichen Schätze wir zu bieten haben», so Deuring. Das entscheidende Signal sei: «Kirchen stehen nicht nur zu Gebet und Gottesdienst offen.» Tiefe bieten, mit Musik, Texten und mitunter Bewirtung «Leib und Seele ansprechen» - auch das sei wichtig, ergänzt Spengler.

Wie sein Amtskollege Deuring, so rechnet auch Spengler mit einem großen Echo auf die angebotene Entdeckungsreise. Zumal es zum Konzept der Kirchennacht gehört, gemütlich von einem Ort zum nächsten zu flanieren.

«Wir haben in Füssen dank kurzer Wege und Shuttle-Busse tolle Voraussetzungen - zwei bis drei Angebote kann man gut schaffen», sagt Spengler und hofft auf 50 bis 100 Besucher pro Pfarrgemeinde. Wobei er dabei auch jene im Blick hat, die sonst nur selten einen Fuß über die Schwelle einer Kirchenpforte setzen.

Beeindruckt hat Deuring, dass die Veranstaltung auf so viele Schultern verteilt ist. Damit meint der Füssener Dekan nicht nur die engagierten Mitstreiter in der eigenen Gemeinde. «Auch die christlichen Kirchen in Füssen arbeiten sehr gut zusammen» - eine Ergänzung und Unterstützung, die ganz im Sinne einer lebendigen Ökumene sei. (raf)

Shuttle-Service: Das Busunternehmen Kößler bietet während der «Nacht der offenen Kirchen» kostenlose Busverbindungen zwischen Zentrum, Füssener Westen sowie Hopfener Dreieck an.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ