Hausärzte protestieren gemeinsam mit ihren Patienten

Kempten/Oberallgäu | sf | Mit acht Bussen fahren die Hausärzte aus Kempten und dem nördlichen Oberallgäu morgen, Samstag, nach München zur bayernweiten Kundgebung ins Olympiastadion. Mit dabei sind auch viele Patienten. So rechnen die Ärzte mit rund 400 Teilnehmer allein aus dem Bereich des Hausarztvereins Kempten-Oberallgäu. In München sollen es dann 60 000 sein, die gegen ein drohendes Aus der hausärztlichen Versorgung demonstrieren.

Auf der Kundgebung wollen Patienten und Hausärzte gemeinsam gegen die Folgen der geplanten Gesundheitsreform protestieren. 'Uns ist es wichtig, dass wir einen Hausarzt in der Nähe haben, den wir kennen und dem wir auch vertrauen', sagen beispielsweise Maria und Sebastian Klingler, Patienten von Dr. Eberle in Probstried. Beide befürchten, dass die Arztpraxen durch die Reform von anonymen Gesundheitszentren abgelöst werden.

'Wir wollen die Politiker damit wachrütteln', hofft der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Locher vom Kemptener Hausarztverein auf den Erfolg der Aktion. Es gehe darum, bis zur Landtagswahl im Herbst Druck gegenüber den Politikern aufzubauen, um 'diese fatale Gesundheitspolitik zu stoppen'. Locher: 'Das Problem ist von der Politik gemacht und kann nur durch sie gelöst werden.'

'Es geht um unsere Existenz'

So soll im nächsten Jahr ein neues Abrechnungsmodell greifen, das eine weitere Verschlechterung bei der Vergütung für Hausärzte vorsehe. 'Es geht nicht darum, dass wir uns keinen Porsche mehr leisten können, sondern um unsere Existenz', regt sich Locher über die 'Neid-Kampagne' so mancher Politiker auf. Die Hausärzte rechnen mit 30 Prozent weniger Umsatz durch die Änderung bei den Vergütungen. Und damit würden Arztpraxen 'im großen Stil kaputt gemacht'. Das Ziel der Gesundheitspolitiker sei es, das Netz der freien niedergelassenen Ärzte durch wenige Medizinische Versorgungszentren zu ersetzen, die von Aktiengesellschaften betrieben werden. Es drohe eine 'Amerikanisierung des Gesundheitswesens'.

'Wenn sich das durchsetzt, sterben die Hausärzte aus', befürchtet Dr. Paulus Eberle aus Probstried schwere Nachwuchsprobleme: 'Die freien Praxen werden so madig gemacht, dass keiner mehr eine übernehmen will.' Damit opfere man 'das beste Versorgungssystem der Welt' den Machtgelüsten der großen Gesundheitskonzerne.

Um das zu verhindern, fährt Eberle mit 70 bis 80 seiner Patienten morgen nach München. Außerdem fahren drei Busse um 8 Uhr vom Kemptener Hauptbahnhof ab sowie Richtung Norden um 8 Uhr in Lauben, um 8.10 Uhr in Haldenwang und um 8.20 Uhr in Dietmannsried.

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