Ostallgäu
Hauptschulen gibts bald nicht mehr

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Letzte Rettung der Hauptschule oder untaugliches Stückwerk - weit auseinander gehen die Meinungen über die geplante Umwandlung der Hauptschulen in sogenannte Mittelschulen. Dass sich etwas ändern muss, ist unbestritten. Die Zahl der Hauptschüler geht nach wie vor zurück. Im Bereich des Schulamts Ostallgäu-Kaufbeuren gab es im Schuljahr 2006/07 noch 4346 Hauptschüler, inzwischen sind es nur noch 3712.

Nach den Vorstellungen des Kultusministeriums soll die Hauptschule durch ein verbessertes Angebot wieder attraktiver werden: Ganztagsbetreuung, stärkere Orientierung am Berufsleben, die Möglichkeit auch den Realschulabschluss zu machen und alle drei möglichen Schwerpunkte. Sind einzelne Schulen dafür zu klein, können sie sich zum Verbund zusammenschließen.

Das Schulamt Kaufbeuren-Ostallgäu muss als Behörde die Reformpläne aus München umsetzen. Seine Direktorin Eva Severa-Saile betont die Vorteile: «Wir sehen das als Chance für die Hauptschule.» Eine Chance, weil kleine Hauptschulen im Verbund bessere Überlebenschancen hätten. Und eine Chance, weil durch das verbesserte Angebot die Schulart attraktiver werde. Severa-Saile kann sich vorstellen, dass im Ostallgäu und Kaufbeuren fünf bis sechs Schulverbünde entstehen.

Die Umwandlung in eine Mittelschule ist freiwillig. Theoretisch könnte eine Schule die Reformen nicht umsetzen und auch namentlich als Hauptschule weitermachen. «Das ist aber nicht gewollt», so Severa-Saile. Mit den Reformen «wäre die Hauptschule dann gestorben».

Der Kreisvorsitzende des Gemeindetags, der Seeger Bürgermeister Manfred Rinderle, ist skeptisch. In der Vergangenheit habe das Kultusministerium mit der Einführung von G8 und der sechsstufigen Realschule so viel Porzellan zerschlagen, dass er den Verheißungen aus München nicht mehr viel Glauben schenken mag. Die Mittelschule sei nur ein «Herumdoktern an Symptomen». Er vermisst eine klare Linie in der Schulpolitik und den Mut zu einer grundlegenden Reform des Schulsystems. Rinderle fürchtet, dass durch den Verbund der Fahraufwand für den einzelnen Schüler steigt.

Jetzt schon müssten Seeger Kinder erst mit dem Bus zu ihrer Schule nach Roßhaupten fahren und an einigen Tagen von dort aus für zwei, drei Unterrichtsstunden extra nach Pfronten und wieder zurück. «Da kommen am Tag leicht zwei, drei Stunden Busfahrt zusammen», so Rinderle. Mit dem Verbund würde der Unterricht noch stärker zwischen den Schulen aufgeteilt. In Städten möge das ja noch funktionieren, nicht aber auf dem Land.

Dass die Landräte sich positiv zur Mittelschule geäußert haben, sieht Rinderle gelassen: Von den Problemen vor Ort seien die Landräte naturgemäß «etwas weiter weg» als die Gemeindechefs. Er weiß von vielen Bürgermeisterkollegen, dass sie die Schulreform ähnlich kritisch sehen wie er. Rinderle hält die Reform zwar für unausgereift und zu kurz gegriffen. Doch sie sei allemal besser als einfach weiterzumachen wie bisher.

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