Jazzfrühling
Harmonische Unterhaltung

So wichtig wie für den Mensch die Luft zum Atmen, so wichtig ist in der Welt des Jazz die Improvisation. Einer wie Pianist Monty Alexander treibt dieses Überraschende, Unkalkulierbare, nicht eigens Notierte, mitunter auf die Spitze. Inhaltlich wie personell.

Im Programmheft des Jazzfrühlings und sogar bei der Ansage am Konzertabend im Kemptener Stadttheater werden als seine Mitstreiter Hassan Shakur (Bass) und Obed Calvaire (Schlagzeug) angekündigt. Meister Monty allerdings hatte es sich kurzfristig anders überlegt und beorderte den US-Amerikaner Lorin Cohen (Bass), der ihn vor sechs Jahren kennengelernt hatte, und den Niederländer Frits Landesbergen (Schlagzeug) an seine Seite.

Natürlich stellen sich bei solcher Spontanität diese Fragen: Sind die denn aufeinander abgestimmt? Haben sie auch genügend geprobt vor diesem Auftritt?

Die Antworten? Schon nach den ersten beiden Stücken wird deutlich, dass diese Fragen in jener Champions-League, in der Leute wie Monty Alexander und Lorin Cohen agieren, nicht gestellt werden.

Ein Kopfnicken, ein Fingerzeig, ein Anheben der Augenbrauen: Der Pianist kommuniziert still und dezent mit seinen musikalischen Partnern - und sie verstehen ihn. Ansonsten läuft die sehr harmonische Unterhaltung der Drei auf rein musikalischer Ebene ab.

Nun gut, es entsteht an diesem Abend kein wirklich vehement oder kontrovers geführter Dialog in jener Hinsicht, als dass jeder Musiker die gleiche «Redezeit» bekommt. Man nimmt vor allem Monty Alexander wahr. Die anderen, um im Sprachbild zu bleiben, melden sich nur gelegentlich zu Wort.

Was freilich nicht weiter schlimm ist. Denn der gebürtige Jamaikaner hat so viel zu sagen, dass man am liebsten bis weit nach Mitternacht zuhören möchte.

Frank Sinatras «Come Fly With Me», Bart Howards «Fly Me To The Moon» oder das durch seinen Landsmann Bob Marley bekannt gewordene «No Woman, No Cry»: Monty Alexander gelingt es immer wieder, lang gedienten Songs neue Ausdruckskraft zu verleihen und zusätzliche Klangfarben beizumischen.

Oder ein Song wie «Hope»: Der 66-Jährige verblüfft mit immer neuen Akkorden, mit atemberaubenden Auflösungen. In diesem kreativen Bereich ist er am stärksten. Seine mitunter rasend schnellen Läufe hingegen dienen eher dazu, Aufsehen zu erregen. Ein Beitrag für die Galerie, nicht unbedingt für die Tiefe der Musik.

Zwei, die sich mögen: Monty Alexander und das Klavier (beziehungsweise der Flügel). Foto: Ralf Lienert

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